Tortuguero

MIttwoch, 16. März 2022. Heute geht es an die Karibikküste. Wir müssen um 5 Uhr 20 losfahren, damit wir pünktlich um 8 Uhr an dem Parkplatz sind, wo wir abgeholt werden (vor Ort stellt sich dann heraus, dass es erst um 9 Uhr losgeht, grrr). Zu der Lodge, die für die nächsten zwei Tage unsere Herberge sein wird, kommt man nämlich nicht mit dem Auto. Wir geben den Wagen also an dem vereinbarten Treffpunkt ab und fahren zunächst mit dem Bus weiter. Jetzt sind wir Teil einer Reisegruppe. Herrlich. Die anderen sind alle schon in diesem Bus aus San José angereist, haben also ihre festen Plätze. Er ist so voll, dass Björn vorne auf dem Klappsitz neben dem Fahrer sitzen muss und ich neben einer Französin, die ständig ihre Maske herunterzieht, um sich in den Zähnen zu puhlen und das Gefundene laut schmatzend nochmal zu verzehren. Nach anderthalb Stunden ist das Vergnügen zum Glück vorbei und wir steigen um in ein Boot.

Dieser noch einmal anderthalbstündige Teil der Anfahrt ist jetzt aber wirklich herrlich. Das Boot ist überdacht, wir somit im Schatten und es weht uns immer ein frischer Fahrtwind um die Nase. Wir sehen ein paar Tiger-, Azul- und Silberreiher. Und zwei Krokodile. Eines döst gemütlich im Wasser vor sich hin. Das andere wird genüsslich von ein paar Geiern verspeist und ist fast nur noch als Skelett vorhanden.

Die „Laguna Lodge“ liegt an einer Lagune, ach, ach was. Aber auf der anderen Seite auch am Atlantik. Den schönen Strand darf man aber nicht zum Baden oder sonstigem Müßiggang nutzen. Der Ort Tortuguero heißt übersetzt „Schildkrötenjäger“. Mittlerweile geht es dort zum Glück in die entgegengesetzte Richtung. Der Strand ist eine der wichtigsten Brutstätten der Suppenschildkröte. In der Brutzeit gibt es so genannte Späher, die darauf achten, dass der Strand erst dann betreten wird, wenn die Schildkröten die Eier in ihre Nester gelegt haben. Wenn sie das nämlich noch nicht getan haben und vor Schreck ins Meer flüchten, kann es sein, dass sie ihre Eier dort ablegen und die sind dann natürlich verloren. Noch ist keine Brutzeit und wir können ihn wenigstens betreten. Schwimmen jedoch nicht, viel zu gefährlich die Brandung.

Eigentlich hätten wir nach der langen Anreise und bei der schwülen Hitze hier nichts dagegen, den Rest des Nachmittags am Pool zu entspannen. Aber um 15 Uhr treffen wir uns am Anleger, um mit dem Boot nach Tortuguero-City zu fahren. Das ist die einzige Gelegenheit, den Ort zu sehen. Er ist zwar nur ca. 2 km entfernt, aber auch nur mit dem Boot zu erreichen. Viel verpasst hätten wir nicht, was bei 1500 Einwohnern ja auch nicht anders zu erwarten gewesen ist. Aber wir schlendern ein bisschen herum und trinken einen erfrischenden Cocktail in einer urigen Bar am Wasser.

Beim Abendessen sitzen wir mit einem Ehepaar aus Hamburg zusammen, welches wir schon im Boot kennengelernt haben. Die Welt ist klein, sie ist in Lüdenscheid geboren. Allerdings hat sie da nur ein paar Monate als Baby gewohnt, bis ihre Eltern kurz nach dem Krieg mit ihr zu Verwandten nach Hamburg gezogen sind. Sie heißen Jörg und Heide – in Costa Rica genannt Anne. Wir witzeln ein bisschen, was die Ticos schon alles aus unseren Namen gemacht haben. Bei ihr hat Laura – unsere Reiseleiterin – einfach nur den ersten Vornamen aus ihrem Pass genommen, statt ihrem Rufnamen. Das kann man ja noch verstehen. Aber uns hat sie konsequent mit Frense und Isenberg (sprich Eisenbörg) angesprochen. Und bei dem Segeltörn an der Pazifikküste firmierten wir auf einmal unter Maria Isenberg.

Poás

Montagmorgen 14.03.2022. Der Sturm hat sich hartnäckig gehalten. Dank der bereits erwähnten Bauweise haben wir das die ganze Nacht lautstark mitgekriegt. Es hörte sich tatsächlich teilweise so an, als ob uns das Dach überm Kopf weggefegt würde. Irgendwas ist aber auch immer 😉

Die Fahrt von Monteverde weg gestaltet sich wesentlich angenehmer als hin. Steil, eng und kurvig ist es natürlich auch auf dieser Strecke viel, aber dafür komplett asphaltiert. Als wir für eine Kaffeepause anhalten, trifft uns fast der Schlag. Bei angenehmen 15 Grad sind wir losgefahren und hier unten im Tal sind es satte 35. Zum Glück liegt unsere nächste Unterkunft, die Poás Volcano Lodge auf 1800 m Höhe. 19 Grad empfangen uns dort. Die Lodge wurde nach der Eruption des Vulkans 2011 von einer englischen Familie in einem Mix aus Beton und Holzelementen für unseren Geschmack sehr stilvoll wieder aufgebaut. Sie durften sogar für den Aufbau sieben alte Eichenbäume nutzen, die hier eigentlich unter Naturschutz stehen, aber nach dem Vulkanausbruch gefällt werden mussten. Nach Kaffee und Kuchen, beschließen wir, einen der drei kurzen Wanderwege zu gehen die sie hier beschildert haben. Kurz ist er wirklich (ca. 3km) aber auch wieder sehr steil, so dass wir trotzdem etwas in Wallung kommen. Herrlich schön abwechslungsreich ist er außerdem.

Wir sind rechtzeitig zurück. Um 17 Uhr Ortszeit steht Björn auf einmal mit zwei Gläsern Wein (Sekt gab es nicht) zum Reinfeiern vor mir. Stimmt in Deutschland ist es jetzt 0 Uhr. Cool, dann hab ich dieses Jahr mal 31 Stunden lang Geburtstag. Wir verbringen einen leckeren Abend, bekommen noch ein Getränk aufs Haus und der Nachtisch wird mit einer Kerze und einem Happy-Birthday-Schriftzug serviert. Ein echt schöner Geburtstagsabend!

Am nächsten Morgen ist kein Wölkchen am Himmel zu sehen – ganz entgegen der Befürchtungen des Rezeptionisten am Vorabend. Somit steht unserem Aufstieg zum Vulkan nichts mehr im Wege. Wir kaufen im Hotel ein Ticket für 8 Uhr 20. Naja, also Aufstieg ist nun wirklich nicht der richtige Begriff. Wir fahren ca. 20 min bis zum Eingang des Nationalparks. Dann kriegt jeder einen Helm in die Hand gedrückt – wir gehören zur grünen Gruppe. Rückwärts eingeparkt – check, Helm auf – check, da sind wir doch sowas von sicher, wenn der Vulkan ausbricht, haha. Nach 10 min Fußweg auf asphaltierten Wegen mit sanftem Anstieg sind wir auch schon da:

Auf dem Rückweg machen wir eine kleine Kaffeepause in einem Lokal mit einem spektakulären Ausblick über San José:

Da dieser Ausflug unerwartet kurz ausgefallen ist, entscheiden wir uns für einen zweiten an diesem Tag. Der La Paz Waterfall Park ist nicht weit entfernt, so fahren wir nach einer kurzen Rast in der Lodge, auch noch dorthin. Endlich sehen wir mal Faultiere, Leoparden und Aras. Aber alle natürlich in Gehegen. Angeblich sind die Tiere, die dort leben nicht einfach so der freien Natur entnommen, um sie zur Schau zu stellen. Vielmehr seien sie verletzt aufgegriffen oder aus unerlaubtem Privatbesitz gerettet worden. Außerdem gibt es ein Schmetterlings- und ein Schlangenhaus und mal wieder einen Kolibrigarten. Auch, wenn wir in diesem Urlaub gefühlt schon 775 Wasserfälle gesehen haben, wandern wir auch noch dorthin. Die sind jetzt aber wirklich recht beeindruckend hoch. Zum Schluss entspannen wir noch bei einem leckeren Getränk in dem Lokal, das erfreulich leer ist und genießen mal wieder einen wunderschönen Ausblick.

Monteverde

Samstagvormittag. Gestern waren wir begeistert, dass wir sie das erste Mal nicht nur gehört, sondern auch gesehen haben. Die Brüllaffen. Und das direkt vor unserem Zimmer. War schön zu beobachten, wie sie sich behände von Baum zu Baum schwangen. Weniger schön war es, sie heute Morgen wieder mal nur zu hören. Und zwar dank der costa-ricanischen Leichtbauweise so laut, dass wir trotz geschlossener Fenster sicher waren, sie säßen direkt neben uns im Bett. Leider haben sie zusätzlich ein blödes Timing erwischt. Hätten sie doch nur ein Stündchen später angefangen zu brüllen, hätten sie uns genau zu unserer Frühstückszeit geweckt.

Nach dem Frühstück verlassen wir die Pazifikküste Richtung Nebelwald. So, also die 10 km Schotterpiste von der wir vor ein paar Tagen berichteten ist pillepalle. Heute wissen wir, warum wir laut Reiseagentur auf jeden Fall ein Allradfahrzeug nehmen sollten. Die ersten 100 km ist noch alles gut. Aber dann wird es krass. Als die asphaltierte Strecke endet, werden wir schon stutzig, dass wir laut Google-Maps für 27 km 60 min brauchen sollen. Ein paar hundert Meter weiter treffen wir auf ein Schweizer Pärchen, welches am Straßenrand einen platten Reifen wechselt. Unsere Hilfe benötigen sie nicht, wie sie uns beteuern. Und mit unserem Wagen würden wir diese extrem steilen Senken und mit Riesenschlaglöchern bespickte, fiese Geröllpiste bestimmt schaffen. Schließlich haben sie sie mit ihrem Frontantrieb auch bewältigt (sie sind aus der entgegengesetzten Richtung gekommen). Richtig Mut gemacht hat uns diese Beschreibung nicht und Lust auf einen Reifenwechsel haben wir auch nicht. Aber wir möchten auch keinen Riesenumweg in Kauf nehmen und hätten wir sie nicht getroffen, wären wir auch da lang gefahren und außerdem wohnen hier Leute, die ständig dort längs müssen. Bedenken zerstreut, weiter geht‘s. Es ist leider genauso mies, wie sie beschrieben haben. Wir fahren im Schritttempo, setzen trotzdem mehrfach auf und kommen an zwei liegen gebliebenen Fahrzeugen vorbei. Dass die Strecke bei Google-Maps als normale Straße ausgewiesen wird, ist eine Frechheit. Wahrscheinlich haben sie eine Kooperation mit der Werkstatt am Ende dieser Katastrophenroute. Die bietet in sämtlichen Sprachen Reifenreparaturen an. Sehr witzig…

Unser Zimmer in dem wunderschönen Hotel Belmar in Monteverde entschädigt uns für die auf dem Weg verlorenen Nerven. Es ist im obersten Stock und beschert uns einen Wahnsinnsblick auf den Regenwald und den „Golf von Nicoya“. Zusätzlicher Pluspunkt: es hat keine Klimaanlage, was uns eine tägliche Diskussion weniger verschafft.

Wie erwartet ist es hier wesentlich kühler als an der Pazifikküste. Abends hat es angefangen zu regnen und in der Nacht weht der Wind lautstark über das Dach. Hin und wieder überkommen uns Zweifel, ob wir unsere geführte Tour am nächsten Morgen trocken erleben können. Zum Glück erfüllen sich unsere Befürchtungen nicht. Mit knappen 15 Grad, bei leicht bewölktem Himmel und hin und wieder Sonne starten wir um 7 Uhr 30 in den Tag. Unser Grüppchen besteht aus zwei Schwestern aus Südafrika, Mutter und Tochter aus Frankreich, uns beiden und Walter unserem costa-ricanischen Guide. Wie schön, dass wir uns diesmal dafür entschieden haben, einen geführten Gang durch den Regenwald zu machen. So genießen wir nicht einfach nur diese herrlich kühle, entspannende, grüne Stille, sondern erfahren auch noch allerlei interessantes über diese üppige Vegetation.

Das Highlight der Wanderung ist eindeutig ein ganz besonderer Bewohner des Waldes. Er sieht aus wie eine Mischung aus Punk mit Knopfaugen und schillernder Diva: der Quetzal. Diese Vogelart lebt nur in den Nebelwäldern Mittelamerikas. Sie ernährt sich hauptsächlich von den wilden Avocados, die in diesem feuchten Gebiet besonders gut gedeihen. Der Quetzal schluckt sie im Ganzen herunter – das geht, weil die Früchte viel kleiner sind als die, die wir so kennen. Aber trotzdem benötigt er dann ungefähr 20 min, um zu verdauen. Den Samen würgt er zum Schluss schön perforiert wieder aus. So trägt er dazu bei, dass sich diese Frucht immer weiter vermehrt. Es ist natürlich nicht so einfach, den Vogel im Dschungel auszumachen. Aber da er die Verdauungszeit ruhig auf einem Baum verbringt, gelingt es uns zum Glück gleich zweimal.

In dem angrenzenden Kolibrigarten sind wir fasziniert, wie viele von diesen winzigen, bunten Vögeln hier herumflattern.

Mittags sind wir wieder im Hotel. Die Sonne scheint, wir beschließen, in den nahe gelegenen Ort zu fahren und dort in einer Soda einen kleinen Snack zu nehmen. Auf einmal geht der Regen los und hört auch gar nicht mehr auf. Da es zudem sehr stürmisch wird, beschließen wir den Rest des Nachmittags in unserem geschützten Zimmer bzw. Balkon zu verbringen, ein bisschen zu lesen und die Aussicht zu genießen.

Abends essen wir wieder im Hotel. Das Essen hier ist wirklich etwas besonderes. Das Gemüse stammt aus dem eigenen Garten, der Käse aus der eigenen Käserei und in der eigenen Brauerei, brauen sie sogar „Kolsch“. (Geschmacklich hat es aber so gar nichts mit seinem Namensvetter zu tun. Es schmeckt viel herber und malziger.)

Playa Hermosa

Donnerstagmorgen. Heute geht es an die Pazifikküste. Das erste Mal für uns beide, dass wir diesen Ozean sehen. Es sind nur 54 km bis dorthin, also eine gute Stunde Fahrt. Auf der Strecke wird uns immer wieder in Aussicht gestellt, dass uns ein paar heimische Tiere über den Weg laufen. Aber leider ist dem nicht so. Wahrscheinlich liegt es daran, dass sie laut den Schildern nur in Dreiergruppen über die Straße gehen. Und dann dauert es halt ein wenig, bis sich das richtige Trüppchen zusammengefunden hat. Kommt darauf an, zu welcher Fraktion man gehört: Jaguar, Tapir, Affe oder Affe, Reh, Nasenbär.

Bis unser Zimmer fertig ist, lesen wir ein bisschen am Pool und zählen die Leguane, die sich hier ebenfalls entspannen. Wir kommen auf sieben. Nachdem wir unser Zimmer bezogen haben, möchten wir ein wenig die Gegend erkunden. Das schöne Hotel „Bosque del Mar“ liegt direkt an der „Playa Hermosa“, einer ca. 5 km weiten Bucht. Trotz Hauptsaison ist hier fast nichts los. Herrlich! In einer kleinen gemütlichen Strandbar ist noch ein schattiges Plätzchen für uns frei. Dort machen wir eine Rast und essen ein Bocadillo.

Da die hiesigen Mücken sich bisher recht unbeeindruckt von unserem Repelente (Autan) zeigen, gehen wir danach in den Ort auf die Suche nach einem weiteren Mittel, welches unsere zahlreichen juckenden Stiche lindern soll. In einem kleinen Supermarkt werden wir fündig. Wir merken ziemlich schnell: ohne die erfrischende Brise des Strandes ist die Sonne unerträglich heiß. Zurück im Hotel buchen wir daher für den nächsten Morgen eine Schnorcheltour auf einem Segelboot. Den Rest des Nachmittages verbringen wir lesend am Strand. Wir beobachten, wie sich drei große schwarze Seevögel in der Luft um einen Fisch zanken, bis er herunter in den Sand fällt. Und dann liegt er da. Was für eine Verschwendung.

Freitagmorgen. Was für ein Zufall! Während wir am Strand darauf warten, dass unsere Tour losgeht, beobachten wir einen Geier, der genüsslich den Fisch verzehrt. Also doch keine Verschwendung, wie schön. Tja, wenn drei sich streiten freut sich der Vierte. Zumindest so lange, bis er von zwei kleinen kläffenden Schoßhündchen vertrieben wird. Es sieht sehr lustig aus, wie er sich da über den Strand scheuchen lässt. Und es dauert erstaunlich lange, bis er sich darauf besinnt, dass er ja ein Vogel ist und davon fliegt.

Auf dem Boot sind neben einer Französin und uns nur Amerikaner. Sie grüßen alle und sind sehr freundlich. Eine ältere Dame fragt, wo wir herkommen. Björn: „From Germany.“ Sie: „Oh, how nice!“. Björn „Have you been there?” Sie: “Oh no, I was not, I’m from Texas.” So, dann wissen wir das jetzt auch, dass man als Texanerin anscheinend für gewöhnlich nicht nach Deutschland reist.

Wir verbringen einen herrlichen Vormittag hier im Golf von Papagayo. Beim Schnorcheln sehen wir nicht so viele spannende Fische oder andere Meeresbewohner. Aber wir genießen die stetig frische Brise an Bord. Und von dort können wir Delphine beobachten und Rochen, die aus dem Wasser in die Luft springen sowie Pelikane, die ins Meer stürzen und Fische fangen. Auch für uns gibt es eine köstliche Verpflegung mit allerlei Getränken, Obst und Tortillachips mit leckerer Guacamole und würzigem Bohnenmus. Die schattigen Plätze an Bord waren jedoch sehr rar gesät, so dass ich jetzt leider für meinen Geschmack einen etwas zu rosigen Teint habe. Da trifft es sich ganz gut, dass wir morgen weiterfahren. In den Nebelwald. Dort lässt sich die Sonne nicht so oft blicken haben wir uns sagen lassen.

Die Ecke der alten Dame

Puh, war das eine anstrengende Angelegenheit an diesem Mittwochvormittag. Aber der Reihe nach. Den gestrigen Morgen haben wir mal wieder mit einer köstlichen Tasse Kaffee im Bett begonnen. Wir haben den Brüllaffen gelauscht (gesehen haben wir sie bis jetzt noch nicht) und das Spektakel der Vögel beobachtet. Schon am Vortag sind plötzlich wie aus dem Nichts unzählige Vögel aufgetaucht, die wie wild umherflogen. Wahrscheinlich ist es genau die richtige Zeit, um zum Frühstück auf Insektenfang zu gehen. Unseren Frühstückstisch haben wir heute für 6h30 bestellt. Das werden wir jetzt immer so machen, haben wir beschlossen.

Dann machen wir uns auf den Weg zur nächsten Unterkunft. Laut Euren Kommentaren hat es Euch ja vor allem der Nasenbär angetan. Wir haben mal ein paar für Euch eingepackt. Denn auf den ersten Kilometern sehen wir wahnsinnig viele davon. Trotz der Verbotsschilder, diese lustigen Tierchen zu füttern, können es einige Bekloppte nicht lassen und da tummeln sie sich dann natürlich wie verrückt.

Hinter dem Arenalstausee wechselt die Landschaft auf einmal abrupt. War sie bisher von sattgrünem Regenwald geprägt, ist sie jetzt auf einmal karg und vertrocknet. Viele Flächen sind verbrannt und teilweise gibt es rote Sandböschungen, die an die Namibwüste erinnern.

Die letzten 10km entschleunigen uns dann gehörig. Eine Schotterstraße, die hauptsächlich aus Schlaglöchern besteht. Wir freuen uns nicht zum ersten Mal darüber, dass wir ein Auto mit Allradantrieb haben (Offtopic Info nach Ullersdorf: Es handelt sich um einen Suzuki Vitara in 1A-Zustand). Als wir ankommen, sind wir ein wenig groggy. Dennoch machen wir uns zunächst auf zu einem ca. 2 km entfernten Wasserfall. Der Weg ist trocken und sandig und nicht sooo schön. Aber die Erfrischung tut gut!

Wir beschließen, den Rest des Nachmittages am Pool unserer „Hacienda Guachipelin“ zu verbringen. Laut unserem Reiseführer soll es in dieser ehemaligen Pferde- und Rinderranch zugehen wie in einem Abenteuerpark. Das können wir nicht so richtig nachvollziehen. Wir finden es sehr entspannt hier!

Tja, diese Reiseführer. Natürlich haben wir schon öfter festgestellt, dass sich unser Eindruck nicht immer mit dem Beschriebenen deckt. Manches ist ja auch einfach Geschmackssache. Seitdem wir aber in dem Exemplar für diese Reise gestöbert haben, treibt uns eine Frage um: Was zur Hölle sagen US-Amerikaner, wenn sie in ein Restaurant gehen zu den armen Kellnern? (die Autoren unseres Reiseführers sind allesamt US-Amerikaner). Unter dem kleinen Abschnitt „Sitten und Bräuche“ steht doch allen Ernstes, dass man je nach Tageszeit „Guten Morgen“, „Guten Abend“ oder „Guten Tag“ sagt, wenn man ein Restaurant betritt oder sich zu jemandem an den Tisch setzt. Mehr nicht, ach doch: man sagt auch noch „Guten Appetit“ vor dem Essen. Aber das war es dann auch mit den verrückten Gepflogenheiten der Ticos – zumindest laut Lonely Planet.

Mittwochmorgen. Nach dem Frühstück fahren wir zu einem nahe gelegenen Nationalpark. Ein netter Herr empfängt uns am Eingang und erklärt uns, welche Wege wir gehen können und welche gesperrt sind. Denn auch, wenn der Name „Rincón de la Vieja“ (auf deutsch: die Ecke der alten Dame) recht harmlos klingt, handelt es sich hier ebenfalls um einen Vulkan. Seit er 2012 ausgebrochen ist, darf man aber nicht mehr hoch zum Krater wandern.

Wir entscheiden uns zunächst für den Rundweg. Der führt teilweise durch schattenspendenden Regenwald, aber auch durch dürren, heißen Trockenwald. Wir kommen an kochenden Wasserlöchern vorbei und an gespenstisch blubbernden Schlammbecken. Und am Vulcancito (kleiner Vulkan), der beständig vor sich hin qualmt.

Danach beschließen wir noch, den Wanderweg zum Wasserfall zu gehen. Aber dieses ständige, extrem steile Auf und Ab über Geröll und Wurzeln ist heute sehr anstrengend für uns. Trotz der schattenspendenden Bäume wird es immer heißer und somit der Gedanke an einen entspannten Nachmittag am Pool immer größer. Also beschließen wir irgendwann: es reicht und kehren um. Schließlich sind wir im Urlaub und kein Wasserfall der Welt rechtfertigt diese Strapaz.

Wir sind froh, dass wir hier und jetzt überhaupt diese Zeilen am Pool schreiben können. Denn, zurück an unserem Auto bemerken wir: wir haben einen Riiiiiiesenfehler gemacht. Wir haben vorwärts eingeparkt!!! Zum Glück ist heute nochmal alles gut gegangen. Seit unserem Besuch im Mistico-Nationalpark wissen wir eigentlich, dass wir immer rückwärts einparken müssen. Das hat einen einfachen Grund: sollte der Vulkan losgehen, kommen wir schneller weg.

Pura Vida

Hola! Wir sind schon ein bissel hier, fangen aber von vorne an: Der Flug war super. Netterweise hat der Kapitän die Turbulenzen über dem Atlantik mit einem kleinen Umweg über Grönland umflogen. Da nehmen wir auch gerne eine halbe Stunde mehr in Kauf und landen nach nunmehr 12,5 Std. müde aber dennoch recht entspannt um 19h30 Ortszeit in San Jose, der Hauptstadt Costa Ricas.

Eine gute Stunde später sind wir auch schon in unserem Hotel „El Presidente“. Die Verlockung ist zwar groß, uns nun direkt ins Bett zu begeben. Aber wir wollen den Jetlag nicht unnötig befeuern und so nehmen wir noch ein Getränk auf der Dachterrasse unseres Hotels zu uns. Ein bisschen mehr Unterstützung in unserem Kampf gegen die Zeitverschiebung hätten wir uns schon gewünscht. Aber kaum steht unser erstes Getränk vor uns, wird auch schon die letzte Runde eingeläutet. Und das um halb zehn an einem Samstagabend. Kurios.

Wir mussten eine Zeit fürs Frühstück angeben. Voller Optimismus reservierten wir den Tisch für neun Uhr. Um fünf Uhr sind wir wach. Und können auch nicht mehr einschlafen. Tja, ganz schön naiv von uns, zu glauben, der Jetlag ließe sich mit zwei kleinen Schlummertrunken ins Bockshorn jagen. Zum Glück ist es kein Problem, dass wir zweieinhalb Stunden vor unserer reservierten Zeit bereits am Frühstückstisch sitzen – ja, richtig gerechnet, es ist 6h30.

Wir haben direkt die Gelegenheit, das Nationalgericht zu probieren. Die Ticos (so heißen die Einwohner Costa Ricas) sind genauso geckig, wie die Kölner, stellen wir fest. Ebenso wenig, wie man in Köln bei einem „Halven Hahn“ einen halben Hahn kriegt, bekommt man in Costa Rica einen angemalten Hahn, wenn man „Gallo Pinto“ bestellt. Hierbei handelt es sich ebenfalls um ein vegetarisches Gericht, nämlich um Reis mit Bohnen. Und das wird traditionell schon zum Frühstück gegessen. Schmeckt aber ganz lecker.

Dann beschließen wir, die gewonnene Zeit zu nutzen und doch noch einen kleinen Spaziergang durch die Stadt zu machen. Diese wurde in diversen Reiseführern und Magazinen nun nicht gerade angepriesen. Auch, wenn die lärmenden Automassen an diesem Sonntagmorgen fehlen, deckt sich unser erster Eindruck mit diesen Beschreibungen. So sind wir froh, dass wir nicht noch eine weitere Nacht hier geplant haben.

Um 10h übernehmen wir unseren Mietwagen am Hotel und machen uns auf den Weg zu unserer nächsten Unterkunft in Palma am Fuße des Arenal. Neijen, wir sind nicht auf Malle, sondern immer noch in Costa Rica. Der Arenal ist einer der zahlreichen Vulkane des Landes. 2010 ist er erloschen, so dass wir uns recht sicher fühlen, wenn wir auch direkt aus unserem Zimmer auf ihn blicken.

Wir müssen mal wieder reservieren. Sowohl fürs Abendessen als auch fürs Frühstück. Wir haben dazu gelernt und bestellen den Frühstückstisch mal was früher, für acht Uhr. Um 5h45 können wir uns aber leider nicht zum hundertsten Mal umdrehen, um nochmal einzuschlafen. Immerhin gibt es statt der üblichen Instantbrühe hier richtigen Kaffee mit einer kleinen Maschine auf dem Zimmer. Wir sind eben in Costa Rica. So können wir mit einer köstlichen Tasse Kaffee im Bett den Sonnenaufgang mit Blick auf den Arenal genießen.

Nach dem Frühstück geht’s zum Mistico Nationalpark. Hier haben wir am Vortag für zehn Uhr ein Ticket gebucht. Ohne Reservierung geht hier anscheinend gar nichts. Ist aber ja auch nicht verkehrt, schließlich ist grad Hochsaison. Zum Glück ist nicht so viel los, wie befürchtet und so verbringen wir ein paar herrliche Stunden im Regenwald. Wir sehen Frösche, Schlangen, Vögel, alles in Miniaturform: Erdbeerfröschchen, Babyvipern und Kolibris.

Es gibt eine wahnsinnig vielfältige Fauna. An einem Baum bemerken wir auf einmal eine Kolonne von Blättern, die den Stamm hinunterwandert. Das sieht wirklich lustig aus. Als wir näher hinsehen, erkennen wir, dass es sich um eine Reihe von Ameisen handelt, die jeweils ein Blatt auf dem Rücken tragen, die Blattschneiderameisen.

Mitten auf einer Hängebrücke fängt es auf einmal an, ordentlich zu regnen. Wir hatten schon am Eingang des Parks ein Schild gesehen, welches mit einem gewissen Stolz verkündete, dass es sich hier um eine der regenreichsten Regionen der Welt handelt. Na toll, hatten wir uns gedacht, in solch einer leben wir doch mittlerweile schon, brauchen wir im Urlaub eigentlich gar nicht mehr. Aber hier bei 30 Grad ist so ein kräftiger Schauer eine herrlich willkommene Erfrischung. Mit dem Niederschlag im Sauerland hat das nicht viel gemein.

Apropos Hängebrücken: davon gibt es hier einige und ziemlich hohe und alle mit durchsichtigen Gittern. Es ist eine sehr wackelige Angelegenheit. Aber wir freuen uns, dass uns die Höhenangst, die bei uns beiden ja latent vorhanden ist, heute mal weitestgehend in Ruhe lässt. So können wir auch hier die tollen Ausblicke einfach nur genießen.

Wir hatten vorher gehofft, ein paar mehr typische einheimische Tiere zu sehen. Und siehe da: am Ausgang des Parkes läuft uns auf einmal dieser forsche Nasenbär über den Weg.

Auf dem Rückweg machen wir Rast in einer kleinen Soda. So nennt man die einfachen, imbissartigen Restaurants hier. “Patacones” steht auf der Karte, kennen wir nicht. Auch die englische Übersetztung “Plantain” hilft uns nicht weiter. Wir vergewissern uns bei der freundlichen Bedienung, dass es auf jeden Fall ein vegetarisches Gericht ist (ihrer Beschreibung konnten wir leider auch nicht entnehmen, worum es sich handelt) und bestellen eine Portion. Jetzt wissen wir “Patacones” sind frittierte Fladen aus Kochbananen. Dieses Obst (oder Gemüse?) gehört nun wirklich nicht zu unserer Lieblingsspeise, wie wir am Vorabend schon feststellten. Aber in dieser Variante mit einem würzigen schwarze-Bohnenmus und einer herzhaften Tomatensalsa ist es doch recht lecker.

Zurück im Hotel lassen wir den Tag entspannt in der Hängematte ausklingen, lesen und schreiben ein bisschen. Pura Vida eben! Diese Redewendung haben wir schon so oft gehört. Wörtlich übersetzt “pures Leben”, wird sie hier einfach für alles genutzt: Begrüßung, Abschied, Begeisterung ausdrücken und und und…

Epilog

Kaum sind fast vier Wochen vergangen, sind wir schon zurück in Kölle. Ja, da sind wir wieder. Auch, wenn wir etwas wehmütig sind, dass der Urlaub „schon“ vorbei ist, freuen wir uns auch, wieder zu Hause zu sein. Wäre ja auch blöd, wenn man sich nicht wieder auf zu Hause freuen würde, nicht
wahr? Viel haben wir jetzt zwar nicht mehr zu berichten, aber wir möchten uns gerne mit einem letzten Beitrag zu unserer schönen Reise verabschieden. Wir haben uns übrigens auch sehr darüber gefreut, dass Ihr so zahlreich Anteil an unserem Blog genommen habt!!! 😀 Da macht das Fotografieren und Schreiben doch gleich nochmal so viel Spaß!

Am Sonntag haben wir tatsächlich nichts anderes mehr gemacht, als uns an dem tollen Panorama zu erfreuen. Einen solchen Blick direkt am Bodensee, mit Aussicht auf die Alpen haben wir schließlich so
bald nicht wieder, da müssen wir nochmal alles aufsaugen. Gestern hat es sich dann so richtig schön eingeregnet. Nicht schlimm, Regen beschert uns ja – wie Ihr schon mitgekriegt habt – immer ein paar schöne Lesestunden. Aber auch danach haben wir uns aufgemacht und sind nach Konstanz gefahren. Wir haben uns das SeaLife angeschaut. Gut, wenn wir 30 – 35 Jahre jünger gewesen wären, hätte es uns wahrscheinlich noch besser gefallen 😉 Abends verbringen wir einen herrlich leckeren letzten Abend im „Gasthaus Seeblick“.

Heute Morgen hatten wir noch ein schönes, kleines Erlebnis. Wir können an einem Tisch im Wintergarten frühstücken. Von dort haben wir – mal wieder – einen schönen Blick auf den Bodensee, aber auch auf den kleinen Hafen von Hagnau. Und dort sitzt dann dieser hübsche Geselle auf einem Schiffstau:

Das letzte Mal, dass wir einen Eisvogel gesehen haben, war vor ein paar Jahren auf einer Radtour, zufällig auch beim Frühstück. Allerdings mussten wir da mitansehen, wie er vor eine Scheibe flog und leider nicht mehr aufstand. Deswegen sind wir umso begeisterter, heute einen so
quicklebendigen beobachten zu können.

So, Ihr Lieben, das war’s. Und es war wunderschön! Auch, wenn wir keine Kängurus, Emus oder Koalas gesehen haben: ereignisreich war sie, unsere Reise von Nord nach Süd, von Sylt bis an den Bodensee.

Wir haben abwechslungsreiche Gegenden erkundet, köstliches Essen (den dazu passenden Wein nicht zu verachten) genossen und sind wunderbaren Menschen begegnet. Und wenn wir nächstes Jahr immer noch nicht fliegen können oder wollen, fahren wir halt von Rügen nach Berchtesgaden (da freuen wir uns jetzt schon drauf!!!)

Der Bodensee

Heute morgen sind wir bei herrlichstem Sonnenschein losgefahren. Schon im Radio hören wir, dass es in der Bodenseeregion nicht so heimelig ist, da sich der Hochnebel hartnäckig hält. Und es stimmt, kaum kommen wir in die Region, ist es sehr neblig und üsselig. Gegen 12 Uhr kommen wir in unserem Hotel „Winzerstube“ an. Das Zimmer ist noch nicht fertig. Wir stellen also nur unser Auto ab und machen ein paar Schritte. Und was für ein Glück haben wir dann bitte! Die Sonne hat es geschafft und den Nebel verdrängt. Bei Frankys Minigolfplatz gibt es eine gemütliche Bude mit ein paar Tischen. Dort lassen wir uns nieder, ziehen eine Jacke nach der anderen aus und genießen die Sonne. Um 14 Uhr können wir unser Zimmer beziehen. Dieses Zimmer hat nur einen entscheidenden Nachteil: es ist so schön, dass wir hier leider heute nicht mehr rauskommen werden 😉. Ein Riesenbalkon mit einem wunderschönen Blick auf den Bodensee. Der Vorteil daran ist, dass wir wenigstens mal wieder dazu kommen, etwas zu schreiben. Und nun sitzen wir hier auf dem Balkon und wollen nochmal kurz von den letzten Tagen berichten.

Am Freitag hat es den ganzen Tag wie aus Kübeln gegossen. Wir nutzen den Regen, um mal wieder ein bisschen zu lesen. Am frühen Nachmittag entschließen wir uns dazu, die „Kunsthalle Messmer“ in Riegel aufzusuchen. Früher wurde hier Bier gebraut – das “Riegeler Bier” verrückterweise. Jetzt wird hier gewohnt, gearbeitet und eben Kunst gezeigt. „Fantastische Bildwelten“ heißt die aktuelle Ausstellung. Dort sind Skulpturen und Bilder ausgestellt, die optische Täuschungen zum Thema haben. Wirklich faszinierend, hat sich gelohnt! Danach möchten wir dann doch gerne einmal die weltbeste Eisdiele des Kaiserstuhls testen. Wir fahren also nach Königschaffhausen. Zum Glück ist der einzige Tisch drinnen nicht besetzt, so dass wir einkehren können. Das so vollmundig angepriesene Gin-Eis gibt es leider zur Zeit nicht, aber die Waffel mit Zwetschgenzimtmarmelade und Sauerrahm ist auch lecker! Abends treffen wir uns mit Marc, Steffi und Hannes im „Rebstock“, eines der Gasthäuser der Gebrüder Keller in Oberbergen. Im „Schwarzen Adler“ haben wir leider keinen Platz mehr gekriegt. Aber der „Rebstock“ ist wahrscheinlich auch eher unsere Liga. Der „Adler“ ist immerhin ein Sternerestaurant. In der Gaststube des „Rebstocks“ hängen lauter Fußballutensilien – unter anderem ein original WM-Trikot von Helmut Rahn aus dem Jahre 1954. Und irgendwann kommt dann tatsächlich Fritz Keller (Ihr wisst schon? Der DFB-Präsident) vorbei, um uns allen einen guten Abend zu wünschen. Lecker ist es auch. Ich esse einen Flammkuchen mit Münsterkäse und einen Feldsalat mit Kracherln (ohne Speck schmeckt der nämlich wohl sehr gut!). Björn nimmt das Rehschnitzel.

Am Samstag treffen wir uns mittags mit den dreien im Weingut „Abril“. Dort überzeugen wir uns noch einmal davon, dass der Kaiserstühler Wein wirklich sehr lecker ist. Es ist wieder herrlichstes Wetter, so dass wir sogar draußen sitzen können. Danach machen wir einen kleinen Gang zum Café „Lissele“ in Leiselheim. Glücklicherweise haben wir für abends einen Tisch im Chalet unseres Hotels ergattern können und verbringen noch einen letzten lustigen Abend zusammen. Es war eine wunderschöne, traumhafte, tolle Zeit hier im Kaiserstuhl mit lieben Freunden, gutem Essen und einer bezaubernden Landschaft. Wir kommen wieder, keine Frage!

Der Kaiserstuhl

Gestern haben wir uns auf den Fahrradweg gemacht, den Kaiserstuhl zu umrunden. Laut Reiseführer eine super Sache, wenn man schon in Schnappatmung verfällt, sobald man nur an die Berge des Schwarzwalds denkt. Der Weg bis Breisach ist, na ja, weitläufig, irgendwie. Lange, gerade Strecken. Und viele Maisfelder, die gerade heute bestellt werden müssen. Ist schon interessant zu sehen, wie sich ein Mähdrescher mit vorbildlichem 1,5m Abstand an dir vorbei fräst. Weniger spannend die Reste, die sich vom Wind getragen in dein Gesicht blasen. Breisach ist ganz hübsch. Das Münster haben wir uns am Montag schon angeschaut, so dass wir da jetzt nicht nochmal hoch latschen.

So richtig dolle finden wir den „Kaiserstuhl-Rundweg“ nicht. Da fällt uns die Entscheidung nicht schwer, den Tuniberg aus zu lassen, um stattdessen eine Einkehrmöglichkeit zu finden. Wir kommen nach Wasenweiler. Da haben wir vorgestern in der „Sonne“ mit Marc und Steffi ein köstliches Abendessen genossen. Wär ja schon schön, wenn wir auch mal eine andere Lokalität ausprobieren könnten.

Können wir aber nicht. Aber bevor wir weiterfahren und wieder in der badischen Siesta hängen (Ihr erinnert Euch? Zwischen 14 und 17 Uhr geht hier gar nix), kehren wir doch lieber ein. Zum Glück! So können wir jetzt bei lauen 18 Grad unsere Schorle und Kartoffelsuppe in dem wunderschönen Innenhof zu uns nehmen (vorgestern, nach Sonnenuntergang, war es hier nicht mehr so heimelig). Der schlaue Björn nimmt noch einen Espresso, ich hergegen jömel schon nach zwei weiteren Kilometern rum, dass ich müde bin und gerne mal ein Käffle trinken würde. Wir sind mitten drin in der Siesta, also radeln wir weiter. In Eichstetten gibt es eine kleine, feine Bastion, die sich gegen die Mittagsruhe stellt. Auf einer Kreidetafel weist das „Café Mitnander“ daraufhin, dass es von 11 – 18 Uhr gerne für uns da ist. Wunderbar! Es beschäftigt vornehmlich Mitarbeiter mit Handicap und befindet sich im Innenhof des „Schwanenhof“, was wiederum ein Seniorenwohnheim ist. Und leckere Latte Macchiato haben sie auch.

Heute Abend kehrten wir in der Kreuz-Post ein. Ein bisschen wehmütig sind wir schon. Eigentlich hätten wir uns hier mit Dirk und Stephanie getroffen, die sich von heute bis Sonntag hier eingebucht hatten. Aber leider hat sich Stephanie verletzt (gute Besserung!!!), so dass sie nicht kommen konnten. Lecker ist es dort und eine lustige Kellnerin – wird demnächst 67 Jahre alt (wie das ist nicht spannend? Wir haben auch nicht danach gefragt und sie hat es uns dennoch erzählt). Aber viel wichtiger ist, dass sie uns auch aufträgt, was wir zu konsumieren haben. Björn wollte gerne einen Feldsalat ohne Speck nehmen. „Noooooiiii, ohne Speck schmäckt der ni.“ Und auch die Wahl des Grauburgunders findet nicht ihre Zustimmung. „Nähmet se grad dän, der isch viel läckära un koscht nur die Hälft“. Netterweise bringt sie uns dann auch „no zwei Gläsle zum probiera un vergleiche“. Und was sollen wir sagen „der günschtige“ ist echt leckerer. Glück gehabt.

Rund um Bischoffingen

Unser zweites Frühstück heute in diesem netten Hotel. Die frischen Sachen bringen sie aus gegebenem Anlass an den Tisch. Wir haben festgestellt, dass meistens in den Hotels 50 Scheiben Wurst oder anderer fleischiger Aufschnitt und zwei Scheiben Käse gereicht werden. So auch hier. Wir essen aber ja beide nur wenig bzw. gar keinen fleischigen Aufschnitt. Darauf haben wir gestern die freundliche Dame hingewiesen. Schließlich sind wir eine Woche hier und es wäre doch echt schade, wenn jeden Morgen so viel weggeschmissen würde. Sie hat sehr nett reagiert und sich gefreut, dass wir Bescheid gesagt haben. Und somit hatten wir heute, wie gewünscht zwei Scheiben Schwarzwälder Schinken und eine veritable Käseplatte mit einer köstlichen Auswahl auf unserem Frühstückstisch. Also echt toll! Gut, es war so viel Käse, dass dennoch ein bisschen übriggeblieben ist, aber wir sind ja beide gute Esser, so dass es sich in Grenzen hielt.

Nach dem Frühstück latschen wir die zwei Kilometer nach Niederrotweil und holen die Fahrräder ab, die wir für heute und morgen gemietet haben. Es ist noch recht knackig von den Temperaturen her. Aber da wir direkt über den höchsten Berg des Kaiserstuhls nach Endingen fahren, wird uns schnell warm, sehr warm. Zumal die Sonne auch schon wieder rausgekommen ist. Marc hat heute frei (Steffi muss arbeiten, tja, wir machen Urlaub, wo andere wohnen) und hat uns angeboten, uns die weltbeste Eisdiele des Kaiserstuhls zu zeigen. Wir machen uns also auf den Weg nach Königschaffhausen. Es ist immer noch eine soooo herrliche Landschaft hier, da ist es toll, dass wir die Hälfte der Strecke unsere Fahrräder schieben können. Da kann man die Aussicht doch viel besser genießen, wenn man nicht so durch die Landschaft pest.

Zeit für eine kleine Korrektur: DAS ist jetzt der höchste Berg des Kaiserstuhls. 😉 Aber Marc motiviert uns beharrlich, indem er von dem leckeren Gin-Eis schwärmt, welches wir gleich genießen können. Kaum in Königschaffhausen angekommen, müssen wir feststellen, dass diese Eisdiele donnerstags bis sonntags geöffnet hat. Heute ist Dienstag. Na gut, man muss auch noch Ziele haben. Es gibt noch zwei einladend aussehende Gasthäuser in dem Ort. Es besteht also weiter Hoffnung, auf eine Erfrischung. Aber sowohl im Ochsen als auch im Adler weisen uns die Wirtsleute auf Kreidetafeln darauf hin, dass sie „ab 17 Uhr gerne für uns da sind“. Es ist 14:30, menno! Also weichen wir auf den Bauernladen aus. Der macht immerhin schon um 15:00 auf. Dort gibt es dann endlich das erlösende Getränk, welches wir in der Sonne genießen.