Berge im Nebel

Gestern haben wir eine kleine Wanderung durch die Weinberge des Kaiserstuhls gemacht. Hannes wies Björn an jeder Ecke lautstark darauf hin, dass er doch hier „AUCH MAL EIN BILD MACHEN MUSS“. Recht hat er. Es ist so malerisch, dass man einfach alles fotografieren muss. In den 60er/70er Jahren wurde die Landschaft durch die Flurbereinigung stark verändert. Diese Bereinigung führte man durch, um den Weinbau ertragreicher zu machen. Seitdem kann z. B. besser mit Maschinen geerntet werden, da statt vieler kleiner Hügel nun große Terrassen entstanden sind. Diese Änderung fanden natürlich nicht alle gut. Viele waren oder sind auch immer noch der Meinung, dass dadurch der Charme der Gegend entzaubert wurde. Das können wir nicht nachvollziehen. Wir sind einfach nur hin und weg, weil es uns so gut gefällt.

Nach einer Zeit kommen wir an einen Aussichtspunkt mit Blick auf die wolkenverhangenen Vogesen. Hannes zu Björn: „Mach mal ein Foto von den Bergen im Nebel. Das Bild nennen wir dann Berge im Nebel.“ Süß, unser kleiner Poet. Und wie passend, oder? Das Kunstwerk seht Ihr ganz oben als Einstiegsbild. Je näher wir wieder nach Endingen kommen, desto mehr Menschen begegnen uns. Auch auf Fahrrädern und vornehmlich auf diesen motorisierten. Hannes lässt es sich nicht nehmen, all diese Menschen freundlich anzubrüllen: „FAHRT IHR MIT MOTOOOR?“ Ha, erwischt! Gut, dass jetzt jeder vom Kaiserstuhl über den Schwarzwald bis zu den Vogesen weiß, dass sie nicht aus eigener Kraft fahren. Schließlich sind hier nur seichte Weinberge mit null Wind zu erklimmen.

Wir kehren kurz in eine Straußenwirtschaft ein. Dann ist es Zeit, unser Quartier für die nächste Woche zu beziehen. Das Hotel liegt ca. 10 km von Endingen entfernt, in Bischoffingen. Wir kennen es schon, weil Marc und Steffi hier ihre Hochzeit gefeiert haben.

Da müssen wir nochmal kurz an eine kleine Situation in Lüneburg denken. Während der Stadtführung, ausgerechnet als wir in der Nikolaikirche sind, klingelt Björns Handy. Er kann natürlich nicht dran gehen. Aber an der Vorwahl erkennen wir, dass der Anruf aus Bischoffingen kommt. Zu der Zeit war gerade das vermaledeite Beherbungsverobt angekündigt worden und uns ist klar: die haben angerufen, um uns zu sagen, dass wir nicht kommen dürfen. Der geneigte Leser weiß, dass die Stadtführerin den Rundgang etwas in die Länge gezogen hat, was wiederum unsere Nervosität etwas gesteigert hat. Kaum haben wir uns von der netten Stadtführerin verabschiedet, ruft Björn zurück. Die freundliche Dame beginnt: „Ich habe Sie angerufen, um zu sagen, dass…“ Björn unterbricht sie resigniert: „Ich kann mir schon denken, warum Sie anrufen.“ Leicht irritiert erwidert sie: „Ach so, ja dann, also, Sie hatten ja für den ersten Abend einen Tisch reserviert. Wir wollten Ihnen nur sagen, dass wir das Chalet schon aufgebaut haben. Wenn Sie möchten, können Sie dort einen Tisch haben.“ Köstliche Situation, könnten wir uns jetzt immer noch drüber beömmeln. „Ja, ja, ich weiß schon, warum sie angerufen haben, Sie haben bestimmt das Chalet schon wieder aufgebaut.“ 😂 Aber es ist wirklich schön, dass sie das gemacht haben. Das Chalet ist eine urige Holzhütte, die sie im Winter immer auf der großzügigen Terrasse aufstellen und so freuen wir uns, dass wir einen gemütlichen ersten Abend mit Fondue und Käserösti dort verbringen dürfen.

Endingen am Kaiserstuhl

Gestern sind wir gemütlich durch den Schwarzwald nach Endingen gefahren. Hier bleiben wir zwei Nächte bei Marc, Steffi und Hannes und einem Haustier ohne Namen. Das haben wir jetzt davon, dass wir uns vor über einem Jahr das letzte Mal gesehen haben. Vor drei Uhr morgens kommen wir nicht ins Bett. Wir finden es aber sehr nett von Hannes, dass er erst um neun Uhr in seiner gewohnt ruhigen Art in unser Bett gehüpft kommt. Hannes ist fünf Jahre alt und hat seine Toniebox und sein Haustier dabei. Herrlich. Wenn man mit lautstarken Liedern über Gorillas, Krokodile und Bananenbrote geweckt wird, ist man direkt da. Da will man doch gar nicht mehr weiterschlafen. Das Haustier streicheln heben wir uns aber für später auf – ist ne Weinbergschnecke. Wir müssen uns da erstmal ein bisschen besser kennenlernen, bevor wir so viel Nähe zulassen können.

Nach dem Frühstück, bei dem die meisten von uns auch was runter gekriegt haben, wollen wir ein bisschen frische Luft tanken. Hannes nimmt an einem dreistündigen geführten Waldprogramm für Kinder teil. Wir anderen vier gehen zur Katharinenkapelle. Was für ein schöner Wanderweg dorthin. Hübsche Kastanienallee, dann ein verwunschener Wald und auf dem Rückweg geht es durch die Weinstöcke, die herbstlich bunt so wunderschön aussehen. Der Weg ist schon recht sportlich steil und so freuen wir uns über eine kleine Erfrischung. Ein paar Trauben hängen hier und da noch an den Reben. Sehr süß und super lecker!

Wir sammeln Hannes wieder ein, der total begeistert erzählt, was er alles über Wildschweine gelernt hat und fahren nach Vörstetten. Sehr leckeres Essen dort im Hotel Sonne! Und ein super Lüftungskonzept. Alle paar Minuten klingelt ein Wecker und die Fenster werden auf Durchzug gestellt. Seit heute wissen wir dann auch, dass Kamillentee ganz wunderbar mit Semmelküchle an Waldpilzrahmsauce harmoniert.

Speyer

Ja, Speyer, da waren wir doch auch noch nie. War zwar ursprünglich nicht geplant, aber umso besser, dass wir eine weitere für uns unbekannte Stadt entdecken. Das Wetter ist, na ja, oktoberhaft, halt. Üsselig, die ganze Zeit lauert der Regen über uns. Aber so lange er nur lauert, ist doch alles gut. Wir beziehen unser Zimmer in dem sehr schönen Domhof Hotel. Dieses Hotel macht seinem Namen nu wirkliche alle Ehre. Schließlich können wir sogar von unserem Zimmer aus einen Blick auf das Weltkulturerbe – größte romanische Kirche der Welt ! – werfen. Toll!

Wir machen einen ausgedehnten Spaziergang durch die Stadt. Bei dieser Gelegenheit werden wir endlich von unseren Ängsten vor den eisigen Winterstürmen des Südschwarzwaldes erlöst. Eine emsige Verkäuferin macht uns weis, dass wir in diesen Jacken einfach umwerfend aussehen – ja, nee is klar, genauso wie in den anderen fünf zuvor auch. Und genauso umwerfend, wie man halt in wetterfesten Winterjacken so aussieht. Aber wir sind dennoch froh, dass wir sie erstanden haben.

Wir essen recht früh, machen einen kleinen Gang zum Rhein und schlendern durch einen Park zurück. Dort stoßen wir auf einen kleinen, gemütlichen Rummel. “Glühwein” steht an einer Bude leuchtend geschrieben. Warum eigentlich nicht? Ist doch recht frisch geworden mittlerweile. Wir fragen, ob sie auch weißen Glühwein haben. “Haijohmähhändanodäaisod”. Watt? Dieser Dialekt hat uns ja heute so einige heitere Minuten geschenkt. Aber nu? Wir bestellen auf gut Glück einen roten und einen weißen. Daraufhin antwortet der freundliche Herr wohl akzentuiert: “Wir haben nur eine Sorte. Rot.” Geht doch!

Das Nahetal

Leckeres Frühstück hier im Weiler. Es fieselt ein bisschen und wir überlegen, was wir heute machen können. Fahren wir doch mal nach Idar-Oberstein. Hört sich hübsch an – Edelsteinstadt. Na ja, bei dieser Bezeichnung hätten wir schon ein etwas schmuckeres Städtchen erwartet, Wir schauen uns das Schloss Oberstein an. Sehr gerne würden wir ein Käffchen trinken. Leider ist das in Ermangelung einladender Cafés hier so gar nicht möglich. Also raus in die Natur, hat sich der Regen doch netterweise auch von dannen gemacht.

Ungeplant begeben wir uns von nun an auf eine kleine Exkursion im Kampf gegen unsere Höhenangst. Erste Station ist der Skywalk in Hochstetten-Dhaun. Wir beömmeln uns über uns selbst, dass wir hier mit ordentlich Schiss inne Buxe wie auf rohen Eiern über das durchsichtige Gitter staksen. Und dann, na ja, dann wundern wir uns, warum sie ausgerechnet an diesem Platz so einen schicken Ausguck erschaffen haben.

Da macht unser zweiter Therapiepunkt, der Heimbergturm, doch etwas mehr her. Schon der Weg dorthin durch die Weinberge (!) mit ein bissl Sonne ist herrlich. Und wenn man beruhigend vor sich hin singt, dann schafft man auch die 26m auf den Turm hinauf. Oben angekommen, werden wir tatsächlich mit einem schönen Rundumblick über das Nahetal belohnt.

Schön war das. Aber genug bewegt. Jetzt möchten wir doch endlich mal unser lang ersehntes Käffchen trinken. Also steuern wir Monzingen an. Daran vorbei gefahren sind wir schon und es lockte mit einem braunen Schild (kennt Ihr, oder? Diese Schilder, die auf Sehenswürdigkeiten hinweisen). Auf diesem Schild stand “historischer Ortskern”. Da wird es doch bestimmt ein nettes Café geben. Schön wäret gewesen! Ein Blick in eine bekannte Internet-Suchmaschine ergibt, dass das nächste Café in Bad Sobernheim zu finden ist. Na gut, fahren wir die paar Kilometer halt wieder zurück. Das Café finden wir direkt, aber wir können es uns nicht nehmen lassen doch noch einmal einen Gang durch die Gemeinde zu machen (getreu dem Motto: drum prüfe […] ob sich noch was bessres findet). Nö, findet sich nicht. Trotzdem lecker der Latte Macchiato. Und schön zu wissen, dass uns im Schmidtburger Hof ein köstliches 4-Gänge-Menü mit Weinbegleitung erwartet. Und das war köstlich!

Weiler bei Monzingen

Hello again. Jooo, was haben wir gestern so gemacht? Unter anderem haben wir ein ein bissl Wäsche gewaschen. Schließlich waren wir darauf eingestellt, zwischendurch nochmal nach Kölle zu kommen. Bei der Gelegenheit hätten wir neben ein paar frischen Schlüppern angesichts des Wetterberichts auch noch unsere Winterjacken eingepackt. Zum Glück haben die freundlichen Mechaniker des Meinerzhagener Autohauses uns wenigstens schnell noch die Winterreifen auf unseren spontanen neuen Reisebegleiter aufgezogen. Für die nächsten Nächte sind um die null Grad angesagt und wir wollen im Laufe der nächsten Tage noch in den Schwarzwald. Da weiß man ja nie. So sind wir, wenn wahrscheinlich auch frierend, zumindest sicher unterwegs.

Gegen 15 Uhr kommen wir im schönen Schmidtburger Hof an. Also hier lässt es sich doch mal wieder aushalten. Die Mädels vom Schmidtburger Hof – wie sich die Mutter mit ihren drei Töchtern gerne auch selber nennen – haben hier eine heimelige Herberge erschaffen. Wir bekommen erstmal einen leckeren Sauvignon Blanc als Willkommensgetränk, den wir in der Winterlounge (Winter!!) einnehmen. Ob wir auch direkt die Weinverköstigung machen wollen? Nee, also eigentlich schon, aber nach dem recht gemütlichen gestrigen Tag und der Autofahrt wäre ein bisschen Bewegung auch ganz gut. Also los. Der Ort hat jetzt nicht sooo viel zu bieten – kaum zu glauben, bei diesem mondänen Namen „Weiler bei Monzingen“. Also begeben wir uns für einen kurzen Gang in die Berge, nein, keine Weinberge. Obwohl hier im Ort ein Weingut neben dem anderen liegt. Wir rätseln schon, ob wir bei unserer Verköstigung eher Wein aus Südafrika oder aus Chile bekommen.

Es ist natürlich nicht so! Nach unserem kleinen Waldspaziergang geht es auch fast direkt schon los. Wir können sechs Weine (keine Sorge, jedes Glas ist nur bis knapp unter 0,1 gefüllt) vom Schmidtburger Hof probieren. Der eine ist nicht so lecker wie der andere. Aber der Grauburgunder (blumig, cremig, vollmundig) und der Riesling (zitrisch, mineralisch, klassisch) hat es uns doch so angetan, dass wir nach dem leckeren 3-Gänge-Menü noch ein Glas davon trinken.

Und zum Schluss habe ich noch etwas ganz Besonderes für Euch. Es ist mir heute doch tatsächlich gelungen, das Phänomen des kleinen, blauen Punktes im Foto festzuhalten. Ja, ich musste feststellen, dass dieses Phänomen nicht nur beim Radeln sondern auch beim Wandern zu beobachten ist. Beim Wandern lässt es sich nur leichter fotografieren. Viel Spaß beim Suchbild:

Unser Herz schlägt für das Sauerland

Ihr habt es bestimmt gemerkt, gestern haben wir nicht geschrieben. Das liegt aber nur an dem Oktoberfest, welches gestern auf dem Werder in Hameln stattfand. Und diesen zwei Gestalten hier zwischen uns.

Ja, wir haben uns mit Miri und Carsten in Hameln getroffen. Es war so schön, den ganzen Tag und Abend viel gequatscht, getrunken und Tränen gelacht. Für Kultur blieb da einfach keine Zeit mehr übrig. Aber dennoch haben wir auch von diesem hübschen Städtchen ein paar Fotos gemacht:

Außerdem mussten wir noch planen, wie es weiter gehen soll mit unserer Reise. Schließlich wollten wir morgen unser Auto holen und damit weiter gen Süden fahren. Aber unser Auto steht in Köln und Köln ist seit gestern Risikogebiet. Das heißt wir hätten zwar weiter fahren können, wären aber nirgends untergekommen, weil wir aus einem Risikogebiet angereist wären. Beherbergungsverbot – was für ein hässliches Wort. Gab es dieses Wort eigentlich vor C. auch schon oder ist das eine neue Kreation?

Also überlegten wir hin und her, was wir machen sollen. Nach Köln fahren und das Auto abholen, dann müssten wir auf jeden Fall einen Test machen… Oder sollen wir uns einen Mietwagen nehmen? Bisschen happig für drei Wochen. Vielleicht könnten wir ja auch mit der Bahn weiterfahren? Aber das wäre doch arg kompliziert geworden, weil wir nur noch kleinere Ortschaften ansteuern wollen. Da erreichte uns plötzlich der erlösende Anruf von Günter F. aus. M. Ja, das ist doch die Lösung! Wir fahren am Sonntag ins Sauerland und von dort mit einem freundlicherweise geliehenen Auto weiter. Manchmal hast Du doch gute Ideen, Papa!

Unser Bahnticket Paderborn – Köln war somit auch hinfällig. Miri brachte uns lieberweise mit dem Auto bis zum Westhofener Kreuz (danke nochmal, Myrthelchen 😘), wo der bereits erwähnte freundliche Günter F. aus M. uns einsammelte. Und so sind wir heute und morgen in Meinerzhagen und werden voraussichtlich am Dienstag unsere Reise fortführen können.

Lüneburg

Wir frühstücken nicht im Hotel. Das hat den einfachen Grund, dass wir uns gestern nicht entscheiden konnten, ob wir die rote, die blaue oder die gelbe Gruppe nehmen sollen. Ja, Club las Piranhas lässt grüßen, hier wird in Schichten gefrühstückt. 😂 Aber das macht nix, Lüneburg hat ja zum Glück eine hervorragende Gastronomieszene zu bieten. So stärken wir uns eben außerhalb. Herrlich, die Sonne scheint. Da kann man doch am Besten den ganzen Tag über irgendwo sitzen und sie genießen.

Neijen, Spaaaaß. Natürlich wollen wir uns dieses wirklich wunderhübsche Städtchen noch ein bisschen genauer anschauen. Zunächst machen wir einen geführten Stadtrundgang. Da haben wir aber auch mal wieder eine lustige Stadtführerin erwischt, es macht echt Spaß! Und so erfahren wir Allerlei. Z.B. dass Johann Sebastian Bach hier im Michaeliskloster seinen Schulabschluss gemacht hat. Er musste lediglich als Mettenchorsänger dort seinen Dienst tun, da er sich als Vollwaise das Schulgeld nicht leisten konnte. Am alten Gefängnis erzählt sie uns, dass die Wärter bei Überbelegung tatsächlich die Gefangenen mit nach Hause nehmen mussten. Kein Witz, daher gibt es hier auch immer noch ein Haus mit einer integrierten Zelle. Das sei doch ungesund, sagt sie, man soll sich doch keine Arbeit mit nach Hause nehmen. Aber so wiederholen sich eben die Zeiten, gab es anscheinend auch damals schon Homeoffice.

Eigentlich waren ja nur anderthalb Stunden für den Rundgang veranschlagt. Unsere Stadtführerin ist jedoch so begeistert, dass sie gute zwei daraus macht. Jetzt haben wir uns aber wirklich ein Päusken im Sönneken verdient.

Auch hier wieder sehr nette Bedienung und so eine schicke BVB-Maske, die der Kellner trägt 😉 Hier könnten wir jetzt wirklich den ganzen Tag sitzen bleiben. Aber Ihr kennt uns ja. Rastlos, wie wir sind, können wir es uns nicht nehmen lassen und machen noch einen kleinen Gang in die Altstadt und erklimmen außerdem den Kalkberg.

Gerne wollen wir im “Mälzer” essen. Das wurde uns gestern von dem Herrchen von Floyd und Enno, zwei liebenswerte Jagdhunde, empfohlen. Aber da ist mal wieder alles ausgebucht. Kehren wir also nochmal im “September” ein – gibt Schlimmeres.

September im Oktober

Bye, bye Ballungsgebiete, helloooo Lüneburg! Ja, es ist schade, dass wir dieses Jahr zum zweiten Mal Hamburg abgesagt haben. Und der Grund dafür ist beschissen (sorry für die Wortwahl aber dafür gibt es keine elegantere Ausdrucksweise). Dennoch sind wir gerade nur froh, dass wir so flexibel sein können. Außerdem hat es sich jetzt richtig schön eingeregnet, so dass wir der Deutschen Bahn dankbar sind, dass sie uns außerplanmäßig eine knappe Stunde mehr im Trockenen schenkt (irgendwelche technischen Störungen in Dammtor, ja, nee, kennen wir ja alle). Unser neues Ziel seit heute morgen ist Lüneburg. Wie trefflich, dass der Zug, den wir eh bis Hamburg gebucht hatten, eine halbe Stunde später in Lüneburg hält. Und jetzt mal ehrlich. Wer will sich denn beklagen, wenn er unverhofft in so ein bezauberndes, hübsches Städtchen kommen darf?

Es regnet und regnet und regnet und regnet. Reichlich nass geworden vom Bahnhof zum Hotel. Kurz trocknen. Und dann trotzdem los ins schöne Lüneburg. Bei dem Wetter bleibt nur eins, einkehen, einkehren, einkehren. Z. B. hier, im September…

Westerland

“Oooh, ich hab solche Sehnsucht, ich will zurück nach Westerland”. Diese poetische Zeile eines bekannten Liedes der besten Band der Welt hat bestimmt jeder schon mal vernommen. Und wir wissen jetzt schon, dass uns diese Sehnsucht bald wieder einholen wird. Aber noch haben wir einen Tag hier und den wollen wir genießen. Wir bringen die Fahrräder weg und essen erst einmal eine Kleinigkeit. Dann bummeln wir ein bisschen durch die Straßen und kaufen ein paar Andenken. Beim Diavolo, einem der begehrten Lokale auf der Friedrichstraße, sind zwei Plätze in der ersten Reihe frei. Diese Chance lassen wir uns nicht nehmen und lassen uns nieder.

Gute Gelegenheit, eines noch zu erwähnen: die Leute sind alle durch die Reihe weg total freundlich und die meisten haben immer einen lustigen Scherz auf den Lippen. Auch, wenn wir des öfteren beobachtet haben, wie die Bedienung zum hundertsten Mal erklärt, dass sich die Gäste bitte nicht direkt setzen, sondern warten, bis sauber gemacht worden ist und dass sie doch bitte ihren “Schnutenpulli” anziehen müssen. Also ich persönlich bin jetzt beim Schreiben schon wieder ganz kribbelig und genervt von diesen ignoranten Leuten, die es immer noch nicht mitgekriegt haben. Aber umso bewundernswerter finden wir es, wie freundlich und gelassen sie hier damit umgehen. Da nehmen wir uns mal ein Scheibchen von mit 😉 Wir beobachten also bei einem Kaffee die vorbei flanierenden Menschen. Herrlich! Könnten wir den ganzen Tag machen, das geht nu wirklich nirgendwo so gut wie hier. Aber eins wollen wir uns noch anschauen: Die Heimstätte der Heimatlosen.

Dieser Ort ist Hauptbestandteil der Gruselgeschichte, die wir gestern angefangen haben zu lesen. Dort wurden von Mitte des 19. bis Anfang des 20. Jahrhunderts die unbekannten Toten begraben, die an den Stränden Sylts angespült wurden. Schon ein bisschen unheimlich. Wir sind gespannt, wie es weiter geht. Dann schlendern wir am Strand zurück. Es hilft ja nix, die Koffer müssen gepackt werden.

So jetzt müssen wir aber Schluss machen und noch ein bisschen Sehnsucht tanken. Wir haben einen Tisch im “Sunset Beach” ergattert.

Der Schlendrian

Ja, jetzt ist er endgültig eingezogen in die Brandenburger Straße in Westerland: der Schlendrian. Und bevor Du, liebes Bötz, jetzt wieder lossingst von wegen “wer den lieben langen Tag…” usw. (ich habbet schon im Ohr), bin ich mir sicher: bei dem Regen, der sich hier heute über der Insel entlädt wärst DU auch nicht rausgegangen! Und so geben wir uns – äußerst widerwillig natürlich nur – dem süßen Nichtstun hin. Schlafen lange, trinken die ein oder andere Tasse Kaffee und lesen hin und wieder ein bisschen. Gegen Mittag kommt uns aber der Gedanke, dass es doch auch irgendwie blöd ist, die Regenhosen komplett umsonst mitgeschleppt zu haben. Außerdem reißt es da hinten schon wieder auf, oder? Und in die Kupferkanne wollten wir doch noch unbedingt, weil wir es da so schön finden. Also los, Regenhosen eingepackt und flugs nach Kampen geradelt.

Auf dem Weg dorthin kommen wir an dem Leuchtturm von Kampen vorbei. Es gibt ihn seit 1856, seinen markanten Anstrich hat er aber erst knapp hundert Jahre später (1953) erhalten. Bei diesen Arbeiten fiel ein Maler vom Gerüst und brach sich das Genick. Seitdem heißt es, der Leuchtturm trage ein weißes Leichenhemd mit Trauerflor.

Es ist aber auch wirklich so schön in der Kupferkanne. Was die hier nach dem zweiten Weltkrieg aus dem alten Flaggschiffbunker gemacht haben, ist schon toll.

Nach Kuchen ist uns gerade nicht und so entscheiden wir uns für eine Quiche. Dazu wollen wir eine Fruchtsaftschorle trinken. Und da haben wir es dann. Es ist ja mal wieder sooo typisch Sylt. Dekadenz macht hier einfach vor gar nichts halt, nicht mal vor der Saftschorle. Alibimäßig gibt es schnöden Apfel- und Rhabarbersaft, aber dann: Saft von der “Morellenfeuer Sauerkirsche”. Ja nee, is klar, ne! Da wird wahrscheinlich jede einzelne Kirsche vor dem Pflücken massiert und mit klassischer Musik beschallt. Und Saft vom weißen Pfirsich. Nein, der gelbe tut es natürlich nicht. Wir sind hier ja schließlich auf Sylt, da muss es schon der exquisite weiße sein. “Zwei Mal Pfirsichschorle bitte!” … lecker! 🙂

Dunkle Wolken hängen schwer am Himmel. Aber es ist trocken und so fahren wir noch zum Roten Kliff und klettern außerdem auf die Uwe-Düne, die höchste Erhebung Sylts.

Auf dem Rückweg entladen sie sich dann, die dunklen Wolken. Was wir beide auch so toll finden an den Regenhosen, ist, dass sie so leicht sind. Damit lässt sich super radeln. Wir überlegen gerade, ob wir sie das nächste Mal einfach mal anziehen, anstatt sie sauber und trocken in unseren Radtaschen nach Hause zu transportieren. Dann werden wir vielleicht auch nicht nass bis auf die Unterhosen.