Über den Wolken

Hallöle Ihr Lieben, hier kommt schon unsere erste kurze Meldung aus dem Urlaub. Wir sind so früh dran, weil wir es uns nicht nehmen lassen wollen, Euch mal aus 10.500 m Höhe einen kleinen Gruß zu schicken.

Wir haben nämlich tatsächlich WLAN an Bord. Ist schon verrückt, oder? Also im Flieger sind wir schonmal gut angekommen. Die Zugfahrt gestern hat auch wunderbar geklappt. In Siegburg gab es zwar eine kleine Verzögerung von acht Minuten wegen eines Polizeieinsatzes, den wir live miterleben durften. Auf einmal hörten wir den netten Schaffner laut schreien und schon flitzte er wie ein Kugelblitz auf dem Bahnsteig an unserem Fenster vorbei. Wir rätselten natürlich hin und her, was die Ursache gewesen sein könnten. Da er sich so reingehängt hat, war uns klar, es muss was Größeres gewesen sein. Vielleicht wurde sein Handy oder einem Gast das Gepäck gestohlen worden? Umso überraschter waren wir, als wir ihn dann fragten. „Ja det Typische halt, die hatten keen Ticket“ war seine Antwort, „aber die Polizei saß einen Wagen weiter, nu hamse beede ne Acht auffem Rücken“ fügte er zufrieden hinzu. Schön mit anzusehen, wie leidenschaftlich er seinem Job nachgeht. Und der neue ICE 3 Neo fuhr teilweise über 300 km/h, so dass er die acht Minuten bis Frankfurt Flughafen auch locker wieder rausgeholt hat.

Nu sitzen wir hier im Obergeschoss des A380 und haben Dank fleißiger Meilensammlerei einen recht entspannten knapp 12-stündigen Flug nach Singapur vor uns. Kleiner Nachteil an Business-Class: bei der Ankunft muss man den Gürtel etwas weiter schnallen, man hat ständig etwas zu futtern vor der Nase:


Keine Sorge, wir werden jetzt nicht anfangen, massenhaft Essensfotos zu schicken (es sei denn der Börner gönnt sich mal eine Heuschrecke oder andere ähnliche Köstlichkeiten. Das würden wir Euch nicht vorenthalten wollen). So, das nächste Mal melden wir uns vielleicht vom Flughafen Singapur vom Pool aus. Ja, die haben tatsächlich einen Pool IM Flughafen. Ach, das wird wieder ein herrlicher Urlaub. Mit ganz vielen Dingen, die wir noch niemals vorher in unserem Leben gemacht haben. Wir freuen uns drauf!

Der Kaiserstuhl

Gestern haben wir uns auf den Fahrradweg gemacht, den Kaiserstuhl zu umrunden. Laut Reiseführer eine super Sache, wenn man schon in Schnappatmung verfällt, sobald man nur an die Berge des Schwarzwalds denkt. Der Weg bis Breisach ist, na ja, weitläufig, irgendwie. Lange, gerade Strecken. Und viele Maisfelder, die gerade heute bestellt werden müssen. Ist schon interessant zu sehen, wie sich ein Mähdrescher mit vorbildlichem 1,5m Abstand an dir vorbei fräst. Weniger spannend die Reste, die sich vom Wind getragen in dein Gesicht blasen. Breisach ist ganz hübsch. Das Münster haben wir uns am Montag schon angeschaut, so dass wir da jetzt nicht nochmal hoch latschen.

So richtig dolle finden wir den „Kaiserstuhl-Rundweg“ nicht. Da fällt uns die Entscheidung nicht schwer, den Tuniberg aus zu lassen, um stattdessen eine Einkehrmöglichkeit zu finden. Wir kommen nach Wasenweiler. Da haben wir vorgestern in der „Sonne“ mit Marc und Steffi ein köstliches Abendessen genossen. Wär ja schon schön, wenn wir auch mal eine andere Lokalität ausprobieren könnten.

Können wir aber nicht. Aber bevor wir weiterfahren und wieder in der badischen Siesta hängen (Ihr erinnert Euch? Zwischen 14 und 17 Uhr geht hier gar nix), kehren wir doch lieber ein. Zum Glück! So können wir jetzt bei lauen 18 Grad unsere Schorle und Kartoffelsuppe in dem wunderschönen Innenhof zu uns nehmen (vorgestern, nach Sonnenuntergang, war es hier nicht mehr so heimelig). Der schlaue Björn nimmt noch einen Espresso, ich hergegen jömel schon nach zwei weiteren Kilometern rum, dass ich müde bin und gerne mal ein Käffle trinken würde. Wir sind mitten drin in der Siesta, also radeln wir weiter. In Eichstetten gibt es eine kleine, feine Bastion, die sich gegen die Mittagsruhe stellt. Auf einer Kreidetafel weist das „Café Mitnander“ daraufhin, dass es von 11 – 18 Uhr gerne für uns da ist. Wunderbar! Es beschäftigt vornehmlich Mitarbeiter mit Handicap und befindet sich im Innenhof des „Schwanenhof“, was wiederum ein Seniorenwohnheim ist. Und leckere Latte Macchiato haben sie auch.

Heute Abend kehrten wir in der Kreuz-Post ein. Ein bisschen wehmütig sind wir schon. Eigentlich hätten wir uns hier mit Dirk und Stephanie getroffen, die sich von heute bis Sonntag hier eingebucht hatten. Aber leider hat sich Stephanie verletzt (gute Besserung!!!), so dass sie nicht kommen konnten. Lecker ist es dort und eine lustige Kellnerin – wird demnächst 67 Jahre alt (wie das ist nicht spannend? Wir haben auch nicht danach gefragt und sie hat es uns dennoch erzählt). Aber viel wichtiger ist, dass sie uns auch aufträgt, was wir zu konsumieren haben. Björn wollte gerne einen Feldsalat ohne Speck nehmen. „Noooooiiii, ohne Speck schmäckt der ni.“ Und auch die Wahl des Grauburgunders findet nicht ihre Zustimmung. „Nähmet se grad dän, der isch viel läckära un koscht nur die Hälft“. Netterweise bringt sie uns dann auch „no zwei Gläsle zum probiera un vergleiche“. Und was sollen wir sagen „der günschtige“ ist echt leckerer. Glück gehabt.

Berge im Nebel

Gestern haben wir eine kleine Wanderung durch die Weinberge des Kaiserstuhls gemacht. Hannes wies Björn an jeder Ecke lautstark darauf hin, dass er doch hier „AUCH MAL EIN BILD MACHEN MUSS“. Recht hat er. Es ist so malerisch, dass man einfach alles fotografieren muss. In den 60er/70er Jahren wurde die Landschaft durch die Flurbereinigung stark verändert. Diese Bereinigung führte man durch, um den Weinbau ertragreicher zu machen. Seitdem kann z. B. besser mit Maschinen geerntet werden, da statt vieler kleiner Hügel nun große Terrassen entstanden sind. Diese Änderung fanden natürlich nicht alle gut. Viele waren oder sind auch immer noch der Meinung, dass dadurch der Charme der Gegend entzaubert wurde. Das können wir nicht nachvollziehen. Wir sind einfach nur hin und weg, weil es uns so gut gefällt.

Nach einer Zeit kommen wir an einen Aussichtspunkt mit Blick auf die wolkenverhangenen Vogesen. Hannes zu Björn: „Mach mal ein Foto von den Bergen im Nebel. Das Bild nennen wir dann Berge im Nebel.“ Süß, unser kleiner Poet. Und wie passend, oder? Das Kunstwerk seht Ihr ganz oben als Einstiegsbild. Je näher wir wieder nach Endingen kommen, desto mehr Menschen begegnen uns. Auch auf Fahrrädern und vornehmlich auf diesen motorisierten. Hannes lässt es sich nicht nehmen, all diese Menschen freundlich anzubrüllen: „FAHRT IHR MIT MOTOOOR?“ Ha, erwischt! Gut, dass jetzt jeder vom Kaiserstuhl über den Schwarzwald bis zu den Vogesen weiß, dass sie nicht aus eigener Kraft fahren. Schließlich sind hier nur seichte Weinberge mit null Wind zu erklimmen.

Wir kehren kurz in eine Straußenwirtschaft ein. Dann ist es Zeit, unser Quartier für die nächste Woche zu beziehen. Das Hotel liegt ca. 10 km von Endingen entfernt, in Bischoffingen. Wir kennen es schon, weil Marc und Steffi hier ihre Hochzeit gefeiert haben.

Da müssen wir nochmal kurz an eine kleine Situation in Lüneburg denken. Während der Stadtführung, ausgerechnet als wir in der Nikolaikirche sind, klingelt Björns Handy. Er kann natürlich nicht dran gehen. Aber an der Vorwahl erkennen wir, dass der Anruf aus Bischoffingen kommt. Zu der Zeit war gerade das vermaledeite Beherbungsverobt angekündigt worden und uns ist klar: die haben angerufen, um uns zu sagen, dass wir nicht kommen dürfen. Der geneigte Leser weiß, dass die Stadtführerin den Rundgang etwas in die Länge gezogen hat, was wiederum unsere Nervosität etwas gesteigert hat. Kaum haben wir uns von der netten Stadtführerin verabschiedet, ruft Björn zurück. Die freundliche Dame beginnt: „Ich habe Sie angerufen, um zu sagen, dass…“ Björn unterbricht sie resigniert: „Ich kann mir schon denken, warum Sie anrufen.“ Leicht irritiert erwidert sie: „Ach so, ja dann, also, Sie hatten ja für den ersten Abend einen Tisch reserviert. Wir wollten Ihnen nur sagen, dass wir das Chalet schon aufgebaut haben. Wenn Sie möchten, können Sie dort einen Tisch haben.“ Köstliche Situation, könnten wir uns jetzt immer noch drüber beömmeln. „Ja, ja, ich weiß schon, warum sie angerufen haben, Sie haben bestimmt das Chalet schon wieder aufgebaut.“ 😂 Aber es ist wirklich schön, dass sie das gemacht haben. Das Chalet ist eine urige Holzhütte, die sie im Winter immer auf der großzügigen Terrasse aufstellen und so freuen wir uns, dass wir einen gemütlichen ersten Abend mit Fondue und Käserösti dort verbringen dürfen.

Endingen am Kaiserstuhl

Gestern sind wir gemütlich durch den Schwarzwald nach Endingen gefahren. Hier bleiben wir zwei Nächte bei Marc, Steffi und Hannes und einem Haustier ohne Namen. Das haben wir jetzt davon, dass wir uns vor über einem Jahr das letzte Mal gesehen haben. Vor drei Uhr morgens kommen wir nicht ins Bett. Wir finden es aber sehr nett von Hannes, dass er erst um neun Uhr in seiner gewohnt ruhigen Art in unser Bett gehüpft kommt. Hannes ist fünf Jahre alt und hat seine Toniebox und sein Haustier dabei. Herrlich. Wenn man mit lautstarken Liedern über Gorillas, Krokodile und Bananenbrote geweckt wird, ist man direkt da. Da will man doch gar nicht mehr weiterschlafen. Das Haustier streicheln heben wir uns aber für später auf – ist ne Weinbergschnecke. Wir müssen uns da erstmal ein bisschen besser kennenlernen, bevor wir so viel Nähe zulassen können.

Nach dem Frühstück, bei dem die meisten von uns auch was runter gekriegt haben, wollen wir ein bisschen frische Luft tanken. Hannes nimmt an einem dreistündigen geführten Waldprogramm für Kinder teil. Wir anderen vier gehen zur Katharinenkapelle. Was für ein schöner Wanderweg dorthin. Hübsche Kastanienallee, dann ein verwunschener Wald und auf dem Rückweg geht es durch die Weinstöcke, die herbstlich bunt so wunderschön aussehen. Der Weg ist schon recht sportlich steil und so freuen wir uns über eine kleine Erfrischung. Ein paar Trauben hängen hier und da noch an den Reben. Sehr süß und super lecker!

Wir sammeln Hannes wieder ein, der total begeistert erzählt, was er alles über Wildschweine gelernt hat und fahren nach Vörstetten. Sehr leckeres Essen dort im Hotel Sonne! Und ein super Lüftungskonzept. Alle paar Minuten klingelt ein Wecker und die Fenster werden auf Durchzug gestellt. Seit heute wissen wir dann auch, dass Kamillentee ganz wunderbar mit Semmelküchle an Waldpilzrahmsauce harmoniert.

Das Nahetal

Leckeres Frühstück hier im Weiler. Es fieselt ein bisschen und wir überlegen, was wir heute machen können. Fahren wir doch mal nach Idar-Oberstein. Hört sich hübsch an – Edelsteinstadt. Na ja, bei dieser Bezeichnung hätten wir schon ein etwas schmuckeres Städtchen erwartet, Wir schauen uns das Schloss Oberstein an. Sehr gerne würden wir ein Käffchen trinken. Leider ist das in Ermangelung einladender Cafés hier so gar nicht möglich. Also raus in die Natur, hat sich der Regen doch netterweise auch von dannen gemacht.

Ungeplant begeben wir uns von nun an auf eine kleine Exkursion im Kampf gegen unsere Höhenangst. Erste Station ist der Skywalk in Hochstetten-Dhaun. Wir beömmeln uns über uns selbst, dass wir hier mit ordentlich Schiss inne Buxe wie auf rohen Eiern über das durchsichtige Gitter staksen. Und dann, na ja, dann wundern wir uns, warum sie ausgerechnet an diesem Platz so einen schicken Ausguck erschaffen haben.

Da macht unser zweiter Therapiepunkt, der Heimbergturm, doch etwas mehr her. Schon der Weg dorthin durch die Weinberge (!) mit ein bissl Sonne ist herrlich. Und wenn man beruhigend vor sich hin singt, dann schafft man auch die 26m auf den Turm hinauf. Oben angekommen, werden wir tatsächlich mit einem schönen Rundumblick über das Nahetal belohnt.

Schön war das. Aber genug bewegt. Jetzt möchten wir doch endlich mal unser lang ersehntes Käffchen trinken. Also steuern wir Monzingen an. Daran vorbei gefahren sind wir schon und es lockte mit einem braunen Schild (kennt Ihr, oder? Diese Schilder, die auf Sehenswürdigkeiten hinweisen). Auf diesem Schild stand “historischer Ortskern”. Da wird es doch bestimmt ein nettes Café geben. Schön wäret gewesen! Ein Blick in eine bekannte Internet-Suchmaschine ergibt, dass das nächste Café in Bad Sobernheim zu finden ist. Na gut, fahren wir die paar Kilometer halt wieder zurück. Das Café finden wir direkt, aber wir können es uns nicht nehmen lassen doch noch einmal einen Gang durch die Gemeinde zu machen (getreu dem Motto: drum prüfe […] ob sich noch was bessres findet). Nö, findet sich nicht. Trotzdem lecker der Latte Macchiato. Und schön zu wissen, dass uns im Schmidtburger Hof ein köstliches 4-Gänge-Menü mit Weinbegleitung erwartet. Und das war köstlich!