Epilog

Kaum sind fast vier Wochen vergangen, sind wir schon zurück in Kölle. Ja, da sind wir wieder. Auch, wenn wir etwas wehmütig sind, dass der Urlaub „schon“ vorbei ist, freuen wir uns auch, wieder zu Hause zu sein. Wäre ja auch blöd, wenn man sich nicht wieder auf zu Hause freuen würde, nicht
wahr? Viel haben wir jetzt zwar nicht mehr zu berichten, aber wir möchten uns gerne mit einem letzten Beitrag zu unserer schönen Reise verabschieden. Wir haben uns übrigens auch sehr darüber gefreut, dass Ihr so zahlreich Anteil an unserem Blog genommen habt!!! 😀 Da macht das Fotografieren und Schreiben doch gleich nochmal so viel Spaß!

Am Sonntag haben wir tatsächlich nichts anderes mehr gemacht, als uns an dem tollen Panorama zu erfreuen. Einen solchen Blick direkt am Bodensee, mit Aussicht auf die Alpen haben wir schließlich so
bald nicht wieder, da müssen wir nochmal alles aufsaugen. Gestern hat es sich dann so richtig schön eingeregnet. Nicht schlimm, Regen beschert uns ja – wie Ihr schon mitgekriegt habt – immer ein paar schöne Lesestunden. Aber auch danach haben wir uns aufgemacht und sind nach Konstanz gefahren. Wir haben uns das SeaLife angeschaut. Gut, wenn wir 30 – 35 Jahre jünger gewesen wären, hätte es uns wahrscheinlich noch besser gefallen 😉 Abends verbringen wir einen herrlich leckeren letzten Abend im „Gasthaus Seeblick“.

Heute Morgen hatten wir noch ein schönes, kleines Erlebnis. Wir können an einem Tisch im Wintergarten frühstücken. Von dort haben wir – mal wieder – einen schönen Blick auf den Bodensee, aber auch auf den kleinen Hafen von Hagnau. Und dort sitzt dann dieser hübsche Geselle auf einem Schiffstau:

Das letzte Mal, dass wir einen Eisvogel gesehen haben, war vor ein paar Jahren auf einer Radtour, zufällig auch beim Frühstück. Allerdings mussten wir da mitansehen, wie er vor eine Scheibe flog und leider nicht mehr aufstand. Deswegen sind wir umso begeisterter, heute einen so
quicklebendigen beobachten zu können.

So, Ihr Lieben, das war’s. Und es war wunderschön! Auch, wenn wir keine Kängurus, Emus oder Koalas gesehen haben: ereignisreich war sie, unsere Reise von Nord nach Süd, von Sylt bis an den Bodensee.

Wir haben abwechslungsreiche Gegenden erkundet, köstliches Essen (den dazu passenden Wein nicht zu verachten) genossen und sind wunderbaren Menschen begegnet. Und wenn wir nächstes Jahr immer noch nicht fliegen können oder wollen, fahren wir halt von Rügen nach Berchtesgaden (da freuen wir uns jetzt schon drauf!!!)

Der Bodensee

Heute morgen sind wir bei herrlichstem Sonnenschein losgefahren. Schon im Radio hören wir, dass es in der Bodenseeregion nicht so heimelig ist, da sich der Hochnebel hartnäckig hält. Und es stimmt, kaum kommen wir in die Region, ist es sehr neblig und üsselig. Gegen 12 Uhr kommen wir in unserem Hotel „Winzerstube“ an. Das Zimmer ist noch nicht fertig. Wir stellen also nur unser Auto ab und machen ein paar Schritte. Und was für ein Glück haben wir dann bitte! Die Sonne hat es geschafft und den Nebel verdrängt. Bei Frankys Minigolfplatz gibt es eine gemütliche Bude mit ein paar Tischen. Dort lassen wir uns nieder, ziehen eine Jacke nach der anderen aus und genießen die Sonne. Um 14 Uhr können wir unser Zimmer beziehen. Dieses Zimmer hat nur einen entscheidenden Nachteil: es ist so schön, dass wir hier leider heute nicht mehr rauskommen werden 😉. Ein Riesenbalkon mit einem wunderschönen Blick auf den Bodensee. Der Vorteil daran ist, dass wir wenigstens mal wieder dazu kommen, etwas zu schreiben. Und nun sitzen wir hier auf dem Balkon und wollen nochmal kurz von den letzten Tagen berichten.

Am Freitag hat es den ganzen Tag wie aus Kübeln gegossen. Wir nutzen den Regen, um mal wieder ein bisschen zu lesen. Am frühen Nachmittag entschließen wir uns dazu, die „Kunsthalle Messmer“ in Riegel aufzusuchen. Früher wurde hier Bier gebraut – das “Riegeler Bier” verrückterweise. Jetzt wird hier gewohnt, gearbeitet und eben Kunst gezeigt. „Fantastische Bildwelten“ heißt die aktuelle Ausstellung. Dort sind Skulpturen und Bilder ausgestellt, die optische Täuschungen zum Thema haben. Wirklich faszinierend, hat sich gelohnt! Danach möchten wir dann doch gerne einmal die weltbeste Eisdiele des Kaiserstuhls testen. Wir fahren also nach Königschaffhausen. Zum Glück ist der einzige Tisch drinnen nicht besetzt, so dass wir einkehren können. Das so vollmundig angepriesene Gin-Eis gibt es leider zur Zeit nicht, aber die Waffel mit Zwetschgenzimtmarmelade und Sauerrahm ist auch lecker! Abends treffen wir uns mit Marc, Steffi und Hannes im „Rebstock“, eines der Gasthäuser der Gebrüder Keller in Oberbergen. Im „Schwarzen Adler“ haben wir leider keinen Platz mehr gekriegt. Aber der „Rebstock“ ist wahrscheinlich auch eher unsere Liga. Der „Adler“ ist immerhin ein Sternerestaurant. In der Gaststube des „Rebstocks“ hängen lauter Fußballutensilien – unter anderem ein original WM-Trikot von Helmut Rahn aus dem Jahre 1954. Und irgendwann kommt dann tatsächlich Fritz Keller (Ihr wisst schon? Der DFB-Präsident) vorbei, um uns allen einen guten Abend zu wünschen. Lecker ist es auch. Ich esse einen Flammkuchen mit Münsterkäse und einen Feldsalat mit Kracherln (ohne Speck schmeckt der nämlich wohl sehr gut!). Björn nimmt das Rehschnitzel.

Am Samstag treffen wir uns mittags mit den dreien im Weingut „Abril“. Dort überzeugen wir uns noch einmal davon, dass der Kaiserstühler Wein wirklich sehr lecker ist. Es ist wieder herrlichstes Wetter, so dass wir sogar draußen sitzen können. Danach machen wir einen kleinen Gang zum Café „Lissele“ in Leiselheim. Glücklicherweise haben wir für abends einen Tisch im Chalet unseres Hotels ergattern können und verbringen noch einen letzten lustigen Abend zusammen. Es war eine wunderschöne, traumhafte, tolle Zeit hier im Kaiserstuhl mit lieben Freunden, gutem Essen und einer bezaubernden Landschaft. Wir kommen wieder, keine Frage!

Der Kaiserstuhl

Gestern haben wir uns auf den Fahrradweg gemacht, den Kaiserstuhl zu umrunden. Laut Reiseführer eine super Sache, wenn man schon in Schnappatmung verfällt, sobald man nur an die Berge des Schwarzwalds denkt. Der Weg bis Breisach ist, na ja, weitläufig, irgendwie. Lange, gerade Strecken. Und viele Maisfelder, die gerade heute bestellt werden müssen. Ist schon interessant zu sehen, wie sich ein Mähdrescher mit vorbildlichem 1,5m Abstand an dir vorbei fräst. Weniger spannend die Reste, die sich vom Wind getragen in dein Gesicht blasen. Breisach ist ganz hübsch. Das Münster haben wir uns am Montag schon angeschaut, so dass wir da jetzt nicht nochmal hoch latschen.

So richtig dolle finden wir den „Kaiserstuhl-Rundweg“ nicht. Da fällt uns die Entscheidung nicht schwer, den Tuniberg aus zu lassen, um stattdessen eine Einkehrmöglichkeit zu finden. Wir kommen nach Wasenweiler. Da haben wir vorgestern in der „Sonne“ mit Marc und Steffi ein köstliches Abendessen genossen. Wär ja schon schön, wenn wir auch mal eine andere Lokalität ausprobieren könnten.

Können wir aber nicht. Aber bevor wir weiterfahren und wieder in der badischen Siesta hängen (Ihr erinnert Euch? Zwischen 14 und 17 Uhr geht hier gar nix), kehren wir doch lieber ein. Zum Glück! So können wir jetzt bei lauen 18 Grad unsere Schorle und Kartoffelsuppe in dem wunderschönen Innenhof zu uns nehmen (vorgestern, nach Sonnenuntergang, war es hier nicht mehr so heimelig). Der schlaue Björn nimmt noch einen Espresso, ich hergegen jömel schon nach zwei weiteren Kilometern rum, dass ich müde bin und gerne mal ein Käffle trinken würde. Wir sind mitten drin in der Siesta, also radeln wir weiter. In Eichstetten gibt es eine kleine, feine Bastion, die sich gegen die Mittagsruhe stellt. Auf einer Kreidetafel weist das „Café Mitnander“ daraufhin, dass es von 11 – 18 Uhr gerne für uns da ist. Wunderbar! Es beschäftigt vornehmlich Mitarbeiter mit Handicap und befindet sich im Innenhof des „Schwanenhof“, was wiederum ein Seniorenwohnheim ist. Und leckere Latte Macchiato haben sie auch.

Heute Abend kehrten wir in der Kreuz-Post ein. Ein bisschen wehmütig sind wir schon. Eigentlich hätten wir uns hier mit Dirk und Stephanie getroffen, die sich von heute bis Sonntag hier eingebucht hatten. Aber leider hat sich Stephanie verletzt (gute Besserung!!!), so dass sie nicht kommen konnten. Lecker ist es dort und eine lustige Kellnerin – wird demnächst 67 Jahre alt (wie das ist nicht spannend? Wir haben auch nicht danach gefragt und sie hat es uns dennoch erzählt). Aber viel wichtiger ist, dass sie uns auch aufträgt, was wir zu konsumieren haben. Björn wollte gerne einen Feldsalat ohne Speck nehmen. „Noooooiiii, ohne Speck schmäckt der ni.“ Und auch die Wahl des Grauburgunders findet nicht ihre Zustimmung. „Nähmet se grad dän, der isch viel läckära un koscht nur die Hälft“. Netterweise bringt sie uns dann auch „no zwei Gläsle zum probiera un vergleiche“. Und was sollen wir sagen „der günschtige“ ist echt leckerer. Glück gehabt.

Rund um Bischoffingen

Unser zweites Frühstück heute in diesem netten Hotel. Die frischen Sachen bringen sie aus gegebenem Anlass an den Tisch. Wir haben festgestellt, dass meistens in den Hotels 50 Scheiben Wurst oder anderer fleischiger Aufschnitt und zwei Scheiben Käse gereicht werden. So auch hier. Wir essen aber ja beide nur wenig bzw. gar keinen fleischigen Aufschnitt. Darauf haben wir gestern die freundliche Dame hingewiesen. Schließlich sind wir eine Woche hier und es wäre doch echt schade, wenn jeden Morgen so viel weggeschmissen würde. Sie hat sehr nett reagiert und sich gefreut, dass wir Bescheid gesagt haben. Und somit hatten wir heute, wie gewünscht zwei Scheiben Schwarzwälder Schinken und eine veritable Käseplatte mit einer köstlichen Auswahl auf unserem Frühstückstisch. Also echt toll! Gut, es war so viel Käse, dass dennoch ein bisschen übriggeblieben ist, aber wir sind ja beide gute Esser, so dass es sich in Grenzen hielt.

Nach dem Frühstück latschen wir die zwei Kilometer nach Niederrotweil und holen die Fahrräder ab, die wir für heute und morgen gemietet haben. Es ist noch recht knackig von den Temperaturen her. Aber da wir direkt über den höchsten Berg des Kaiserstuhls nach Endingen fahren, wird uns schnell warm, sehr warm. Zumal die Sonne auch schon wieder rausgekommen ist. Marc hat heute frei (Steffi muss arbeiten, tja, wir machen Urlaub, wo andere wohnen) und hat uns angeboten, uns die weltbeste Eisdiele des Kaiserstuhls zu zeigen. Wir machen uns also auf den Weg nach Königschaffhausen. Es ist immer noch eine soooo herrliche Landschaft hier, da ist es toll, dass wir die Hälfte der Strecke unsere Fahrräder schieben können. Da kann man die Aussicht doch viel besser genießen, wenn man nicht so durch die Landschaft pest.

Zeit für eine kleine Korrektur: DAS ist jetzt der höchste Berg des Kaiserstuhls. 😉 Aber Marc motiviert uns beharrlich, indem er von dem leckeren Gin-Eis schwärmt, welches wir gleich genießen können. Kaum in Königschaffhausen angekommen, müssen wir feststellen, dass diese Eisdiele donnerstags bis sonntags geöffnet hat. Heute ist Dienstag. Na gut, man muss auch noch Ziele haben. Es gibt noch zwei einladend aussehende Gasthäuser in dem Ort. Es besteht also weiter Hoffnung, auf eine Erfrischung. Aber sowohl im Ochsen als auch im Adler weisen uns die Wirtsleute auf Kreidetafeln darauf hin, dass sie „ab 17 Uhr gerne für uns da sind“. Es ist 14:30, menno! Also weichen wir auf den Bauernladen aus. Der macht immerhin schon um 15:00 auf. Dort gibt es dann endlich das erlösende Getränk, welches wir in der Sonne genießen.

Berge im Nebel

Gestern haben wir eine kleine Wanderung durch die Weinberge des Kaiserstuhls gemacht. Hannes wies Björn an jeder Ecke lautstark darauf hin, dass er doch hier „AUCH MAL EIN BILD MACHEN MUSS“. Recht hat er. Es ist so malerisch, dass man einfach alles fotografieren muss. In den 60er/70er Jahren wurde die Landschaft durch die Flurbereinigung stark verändert. Diese Bereinigung führte man durch, um den Weinbau ertragreicher zu machen. Seitdem kann z. B. besser mit Maschinen geerntet werden, da statt vieler kleiner Hügel nun große Terrassen entstanden sind. Diese Änderung fanden natürlich nicht alle gut. Viele waren oder sind auch immer noch der Meinung, dass dadurch der Charme der Gegend entzaubert wurde. Das können wir nicht nachvollziehen. Wir sind einfach nur hin und weg, weil es uns so gut gefällt.

Nach einer Zeit kommen wir an einen Aussichtspunkt mit Blick auf die wolkenverhangenen Vogesen. Hannes zu Björn: „Mach mal ein Foto von den Bergen im Nebel. Das Bild nennen wir dann Berge im Nebel.“ Süß, unser kleiner Poet. Und wie passend, oder? Das Kunstwerk seht Ihr ganz oben als Einstiegsbild. Je näher wir wieder nach Endingen kommen, desto mehr Menschen begegnen uns. Auch auf Fahrrädern und vornehmlich auf diesen motorisierten. Hannes lässt es sich nicht nehmen, all diese Menschen freundlich anzubrüllen: „FAHRT IHR MIT MOTOOOR?“ Ha, erwischt! Gut, dass jetzt jeder vom Kaiserstuhl über den Schwarzwald bis zu den Vogesen weiß, dass sie nicht aus eigener Kraft fahren. Schließlich sind hier nur seichte Weinberge mit null Wind zu erklimmen.

Wir kehren kurz in eine Straußenwirtschaft ein. Dann ist es Zeit, unser Quartier für die nächste Woche zu beziehen. Das Hotel liegt ca. 10 km von Endingen entfernt, in Bischoffingen. Wir kennen es schon, weil Marc und Steffi hier ihre Hochzeit gefeiert haben.

Da müssen wir nochmal kurz an eine kleine Situation in Lüneburg denken. Während der Stadtführung, ausgerechnet als wir in der Nikolaikirche sind, klingelt Björns Handy. Er kann natürlich nicht dran gehen. Aber an der Vorwahl erkennen wir, dass der Anruf aus Bischoffingen kommt. Zu der Zeit war gerade das vermaledeite Beherbungsverobt angekündigt worden und uns ist klar: die haben angerufen, um uns zu sagen, dass wir nicht kommen dürfen. Der geneigte Leser weiß, dass die Stadtführerin den Rundgang etwas in die Länge gezogen hat, was wiederum unsere Nervosität etwas gesteigert hat. Kaum haben wir uns von der netten Stadtführerin verabschiedet, ruft Björn zurück. Die freundliche Dame beginnt: „Ich habe Sie angerufen, um zu sagen, dass…“ Björn unterbricht sie resigniert: „Ich kann mir schon denken, warum Sie anrufen.“ Leicht irritiert erwidert sie: „Ach so, ja dann, also, Sie hatten ja für den ersten Abend einen Tisch reserviert. Wir wollten Ihnen nur sagen, dass wir das Chalet schon aufgebaut haben. Wenn Sie möchten, können Sie dort einen Tisch haben.“ Köstliche Situation, könnten wir uns jetzt immer noch drüber beömmeln. „Ja, ja, ich weiß schon, warum sie angerufen haben, Sie haben bestimmt das Chalet schon wieder aufgebaut.“ 😂 Aber es ist wirklich schön, dass sie das gemacht haben. Das Chalet ist eine urige Holzhütte, die sie im Winter immer auf der großzügigen Terrasse aufstellen und so freuen wir uns, dass wir einen gemütlichen ersten Abend mit Fondue und Käserösti dort verbringen dürfen.

Endingen am Kaiserstuhl

Gestern sind wir gemütlich durch den Schwarzwald nach Endingen gefahren. Hier bleiben wir zwei Nächte bei Marc, Steffi und Hannes und einem Haustier ohne Namen. Das haben wir jetzt davon, dass wir uns vor über einem Jahr das letzte Mal gesehen haben. Vor drei Uhr morgens kommen wir nicht ins Bett. Wir finden es aber sehr nett von Hannes, dass er erst um neun Uhr in seiner gewohnt ruhigen Art in unser Bett gehüpft kommt. Hannes ist fünf Jahre alt und hat seine Toniebox und sein Haustier dabei. Herrlich. Wenn man mit lautstarken Liedern über Gorillas, Krokodile und Bananenbrote geweckt wird, ist man direkt da. Da will man doch gar nicht mehr weiterschlafen. Das Haustier streicheln heben wir uns aber für später auf – ist ne Weinbergschnecke. Wir müssen uns da erstmal ein bisschen besser kennenlernen, bevor wir so viel Nähe zulassen können.

Nach dem Frühstück, bei dem die meisten von uns auch was runter gekriegt haben, wollen wir ein bisschen frische Luft tanken. Hannes nimmt an einem dreistündigen geführten Waldprogramm für Kinder teil. Wir anderen vier gehen zur Katharinenkapelle. Was für ein schöner Wanderweg dorthin. Hübsche Kastanienallee, dann ein verwunschener Wald und auf dem Rückweg geht es durch die Weinstöcke, die herbstlich bunt so wunderschön aussehen. Der Weg ist schon recht sportlich steil und so freuen wir uns über eine kleine Erfrischung. Ein paar Trauben hängen hier und da noch an den Reben. Sehr süß und super lecker!

Wir sammeln Hannes wieder ein, der total begeistert erzählt, was er alles über Wildschweine gelernt hat und fahren nach Vörstetten. Sehr leckeres Essen dort im Hotel Sonne! Und ein super Lüftungskonzept. Alle paar Minuten klingelt ein Wecker und die Fenster werden auf Durchzug gestellt. Seit heute wissen wir dann auch, dass Kamillentee ganz wunderbar mit Semmelküchle an Waldpilzrahmsauce harmoniert.

Speyer

Ja, Speyer, da waren wir doch auch noch nie. War zwar ursprünglich nicht geplant, aber umso besser, dass wir eine weitere für uns unbekannte Stadt entdecken. Das Wetter ist, na ja, oktoberhaft, halt. Üsselig, die ganze Zeit lauert der Regen über uns. Aber so lange er nur lauert, ist doch alles gut. Wir beziehen unser Zimmer in dem sehr schönen Domhof Hotel. Dieses Hotel macht seinem Namen nu wirkliche alle Ehre. Schließlich können wir sogar von unserem Zimmer aus einen Blick auf das Weltkulturerbe – größte romanische Kirche der Welt ! – werfen. Toll!

Wir machen einen ausgedehnten Spaziergang durch die Stadt. Bei dieser Gelegenheit werden wir endlich von unseren Ängsten vor den eisigen Winterstürmen des Südschwarzwaldes erlöst. Eine emsige Verkäuferin macht uns weis, dass wir in diesen Jacken einfach umwerfend aussehen – ja, nee is klar, genauso wie in den anderen fünf zuvor auch. Und genauso umwerfend, wie man halt in wetterfesten Winterjacken so aussieht. Aber wir sind dennoch froh, dass wir sie erstanden haben.

Wir essen recht früh, machen einen kleinen Gang zum Rhein und schlendern durch einen Park zurück. Dort stoßen wir auf einen kleinen, gemütlichen Rummel. “Glühwein” steht an einer Bude leuchtend geschrieben. Warum eigentlich nicht? Ist doch recht frisch geworden mittlerweile. Wir fragen, ob sie auch weißen Glühwein haben. “Haijohmähhändanodäaisod”. Watt? Dieser Dialekt hat uns ja heute so einige heitere Minuten geschenkt. Aber nu? Wir bestellen auf gut Glück einen roten und einen weißen. Daraufhin antwortet der freundliche Herr wohl akzentuiert: “Wir haben nur eine Sorte. Rot.” Geht doch!

Das Nahetal

Leckeres Frühstück hier im Weiler. Es fieselt ein bisschen und wir überlegen, was wir heute machen können. Fahren wir doch mal nach Idar-Oberstein. Hört sich hübsch an – Edelsteinstadt. Na ja, bei dieser Bezeichnung hätten wir schon ein etwas schmuckeres Städtchen erwartet, Wir schauen uns das Schloss Oberstein an. Sehr gerne würden wir ein Käffchen trinken. Leider ist das in Ermangelung einladender Cafés hier so gar nicht möglich. Also raus in die Natur, hat sich der Regen doch netterweise auch von dannen gemacht.

Ungeplant begeben wir uns von nun an auf eine kleine Exkursion im Kampf gegen unsere Höhenangst. Erste Station ist der Skywalk in Hochstetten-Dhaun. Wir beömmeln uns über uns selbst, dass wir hier mit ordentlich Schiss inne Buxe wie auf rohen Eiern über das durchsichtige Gitter staksen. Und dann, na ja, dann wundern wir uns, warum sie ausgerechnet an diesem Platz so einen schicken Ausguck erschaffen haben.

Da macht unser zweiter Therapiepunkt, der Heimbergturm, doch etwas mehr her. Schon der Weg dorthin durch die Weinberge (!) mit ein bissl Sonne ist herrlich. Und wenn man beruhigend vor sich hin singt, dann schafft man auch die 26m auf den Turm hinauf. Oben angekommen, werden wir tatsächlich mit einem schönen Rundumblick über das Nahetal belohnt.

Schön war das. Aber genug bewegt. Jetzt möchten wir doch endlich mal unser lang ersehntes Käffchen trinken. Also steuern wir Monzingen an. Daran vorbei gefahren sind wir schon und es lockte mit einem braunen Schild (kennt Ihr, oder? Diese Schilder, die auf Sehenswürdigkeiten hinweisen). Auf diesem Schild stand “historischer Ortskern”. Da wird es doch bestimmt ein nettes Café geben. Schön wäret gewesen! Ein Blick in eine bekannte Internet-Suchmaschine ergibt, dass das nächste Café in Bad Sobernheim zu finden ist. Na gut, fahren wir die paar Kilometer halt wieder zurück. Das Café finden wir direkt, aber wir können es uns nicht nehmen lassen doch noch einmal einen Gang durch die Gemeinde zu machen (getreu dem Motto: drum prüfe […] ob sich noch was bessres findet). Nö, findet sich nicht. Trotzdem lecker der Latte Macchiato. Und schön zu wissen, dass uns im Schmidtburger Hof ein köstliches 4-Gänge-Menü mit Weinbegleitung erwartet. Und das war köstlich!

Weiler bei Monzingen

Hello again. Jooo, was haben wir gestern so gemacht? Unter anderem haben wir ein ein bissl Wäsche gewaschen. Schließlich waren wir darauf eingestellt, zwischendurch nochmal nach Kölle zu kommen. Bei der Gelegenheit hätten wir neben ein paar frischen Schlüppern angesichts des Wetterberichts auch noch unsere Winterjacken eingepackt. Zum Glück haben die freundlichen Mechaniker des Meinerzhagener Autohauses uns wenigstens schnell noch die Winterreifen auf unseren spontanen neuen Reisebegleiter aufgezogen. Für die nächsten Nächte sind um die null Grad angesagt und wir wollen im Laufe der nächsten Tage noch in den Schwarzwald. Da weiß man ja nie. So sind wir, wenn wahrscheinlich auch frierend, zumindest sicher unterwegs.

Gegen 15 Uhr kommen wir im schönen Schmidtburger Hof an. Also hier lässt es sich doch mal wieder aushalten. Die Mädels vom Schmidtburger Hof – wie sich die Mutter mit ihren drei Töchtern gerne auch selber nennen – haben hier eine heimelige Herberge erschaffen. Wir bekommen erstmal einen leckeren Sauvignon Blanc als Willkommensgetränk, den wir in der Winterlounge (Winter!!) einnehmen. Ob wir auch direkt die Weinverköstigung machen wollen? Nee, also eigentlich schon, aber nach dem recht gemütlichen gestrigen Tag und der Autofahrt wäre ein bisschen Bewegung auch ganz gut. Also los. Der Ort hat jetzt nicht sooo viel zu bieten – kaum zu glauben, bei diesem mondänen Namen „Weiler bei Monzingen“. Also begeben wir uns für einen kurzen Gang in die Berge, nein, keine Weinberge. Obwohl hier im Ort ein Weingut neben dem anderen liegt. Wir rätseln schon, ob wir bei unserer Verköstigung eher Wein aus Südafrika oder aus Chile bekommen.

Es ist natürlich nicht so! Nach unserem kleinen Waldspaziergang geht es auch fast direkt schon los. Wir können sechs Weine (keine Sorge, jedes Glas ist nur bis knapp unter 0,1 gefüllt) vom Schmidtburger Hof probieren. Der eine ist nicht so lecker wie der andere. Aber der Grauburgunder (blumig, cremig, vollmundig) und der Riesling (zitrisch, mineralisch, klassisch) hat es uns doch so angetan, dass wir nach dem leckeren 3-Gänge-Menü noch ein Glas davon trinken.

Und zum Schluss habe ich noch etwas ganz Besonderes für Euch. Es ist mir heute doch tatsächlich gelungen, das Phänomen des kleinen, blauen Punktes im Foto festzuhalten. Ja, ich musste feststellen, dass dieses Phänomen nicht nur beim Radeln sondern auch beim Wandern zu beobachten ist. Beim Wandern lässt es sich nur leichter fotografieren. Viel Spaß beim Suchbild:

Unser Herz schlägt für das Sauerland

Ihr habt es bestimmt gemerkt, gestern haben wir nicht geschrieben. Das liegt aber nur an dem Oktoberfest, welches gestern auf dem Werder in Hameln stattfand. Und diesen zwei Gestalten hier zwischen uns.

Ja, wir haben uns mit Miri und Carsten in Hameln getroffen. Es war so schön, den ganzen Tag und Abend viel gequatscht, getrunken und Tränen gelacht. Für Kultur blieb da einfach keine Zeit mehr übrig. Aber dennoch haben wir auch von diesem hübschen Städtchen ein paar Fotos gemacht:

Außerdem mussten wir noch planen, wie es weiter gehen soll mit unserer Reise. Schließlich wollten wir morgen unser Auto holen und damit weiter gen Süden fahren. Aber unser Auto steht in Köln und Köln ist seit gestern Risikogebiet. Das heißt wir hätten zwar weiter fahren können, wären aber nirgends untergekommen, weil wir aus einem Risikogebiet angereist wären. Beherbergungsverbot – was für ein hässliches Wort. Gab es dieses Wort eigentlich vor C. auch schon oder ist das eine neue Kreation?

Also überlegten wir hin und her, was wir machen sollen. Nach Köln fahren und das Auto abholen, dann müssten wir auf jeden Fall einen Test machen… Oder sollen wir uns einen Mietwagen nehmen? Bisschen happig für drei Wochen. Vielleicht könnten wir ja auch mit der Bahn weiterfahren? Aber das wäre doch arg kompliziert geworden, weil wir nur noch kleinere Ortschaften ansteuern wollen. Da erreichte uns plötzlich der erlösende Anruf von Günter F. aus. M. Ja, das ist doch die Lösung! Wir fahren am Sonntag ins Sauerland und von dort mit einem freundlicherweise geliehenen Auto weiter. Manchmal hast Du doch gute Ideen, Papa!

Unser Bahnticket Paderborn – Köln war somit auch hinfällig. Miri brachte uns lieberweise mit dem Auto bis zum Westhofener Kreuz (danke nochmal, Myrthelchen 😘), wo der bereits erwähnte freundliche Günter F. aus M. uns einsammelte. Und so sind wir heute und morgen in Meinerzhagen und werden voraussichtlich am Dienstag unsere Reise fortführen können.