Gestern haben wir eine kleine Wanderung durch die Weinberge des Kaiserstuhls gemacht. Hannes wies Björn an jeder Ecke lautstark darauf hin, dass er doch hier „AUCH MAL EIN BILD MACHEN MUSS“. Recht hat er. Es ist so malerisch, dass man einfach alles fotografieren muss. In den 60er/70er Jahren wurde die Landschaft durch die Flurbereinigung stark verändert. Diese Bereinigung führte man durch, um den Weinbau ertragreicher zu machen. Seitdem kann z. B. besser mit Maschinen geerntet werden, da statt vieler kleiner Hügel nun große Terrassen entstanden sind. Diese Änderung fanden natürlich nicht alle gut. Viele waren oder sind auch immer noch der Meinung, dass dadurch der Charme der Gegend entzaubert wurde. Das können wir nicht nachvollziehen. Wir sind einfach nur hin und weg, weil es uns so gut gefällt.
Nach einer Zeit kommen wir an einen Aussichtspunkt mit Blick auf die wolkenverhangenen Vogesen. Hannes zu Björn: „Mach mal ein Foto von den Bergen im Nebel. Das Bild nennen wir dann Berge im Nebel.“ Süß, unser kleiner Poet. Und wie passend, oder? Das Kunstwerk seht Ihr ganz oben als Einstiegsbild. Je näher wir wieder nach Endingen kommen, desto mehr Menschen begegnen uns. Auch auf Fahrrädern und vornehmlich auf diesen motorisierten. Hannes lässt es sich nicht nehmen, all diese Menschen freundlich anzubrüllen: „FAHRT IHR MIT MOTOOOR?“ Ha, erwischt! Gut, dass jetzt jeder vom Kaiserstuhl über den Schwarzwald bis zu den Vogesen weiß, dass sie nicht aus eigener Kraft fahren. Schließlich sind hier nur seichte Weinberge mit null Wind zu erklimmen.
Wir kehren kurz in eine Straußenwirtschaft ein. Dann ist es Zeit, unser Quartier für die nächste Woche zu beziehen. Das Hotel liegt ca. 10 km von Endingen entfernt, in Bischoffingen. Wir kennen es schon, weil Marc und Steffi hier ihre Hochzeit gefeiert haben.
Da müssen wir nochmal kurz an eine kleine Situation in Lüneburg denken. Während der Stadtführung, ausgerechnet als wir in der Nikolaikirche sind, klingelt Björns Handy. Er kann natürlich nicht dran gehen. Aber an der Vorwahl erkennen wir, dass der Anruf aus Bischoffingen kommt. Zu der Zeit war gerade das vermaledeite Beherbungsverobt angekündigt worden und uns ist klar: die haben angerufen, um uns zu sagen, dass wir nicht kommen dürfen. Der geneigte Leser weiß, dass die Stadtführerin den Rundgang etwas in die Länge gezogen hat, was wiederum unsere Nervosität etwas gesteigert hat. Kaum haben wir uns von der netten Stadtführerin verabschiedet, ruft Björn zurück. Die freundliche Dame beginnt: „Ich habe Sie angerufen, um zu sagen, dass…“ Björn unterbricht sie resigniert: „Ich kann mir schon denken, warum Sie anrufen.“ Leicht irritiert erwidert sie: „Ach so, ja dann, also, Sie hatten ja für den ersten Abend einen Tisch reserviert. Wir wollten Ihnen nur sagen, dass wir das Chalet schon aufgebaut haben. Wenn Sie möchten, können Sie dort einen Tisch haben.“ Köstliche Situation, könnten wir uns jetzt immer noch drüber beömmeln. „Ja, ja, ich weiß schon, warum sie angerufen haben, Sie haben bestimmt das Chalet schon wieder aufgebaut.“ 😂 Aber es ist wirklich schön, dass sie das gemacht haben. Das Chalet ist eine urige Holzhütte, die sie im Winter immer auf der großzügigen Terrasse aufstellen und so freuen wir uns, dass wir einen gemütlichen ersten Abend mit Fondue und Käserösti dort verbringen dürfen.









