Pura Vida

Hola! Wir sind schon ein bissel hier, fangen aber von vorne an: Der Flug war super. Netterweise hat der Kapitän die Turbulenzen über dem Atlantik mit einem kleinen Umweg über Grönland umflogen. Da nehmen wir auch gerne eine halbe Stunde mehr in Kauf und landen nach nunmehr 12,5 Std. müde aber dennoch recht entspannt um 19h30 Ortszeit in San Jose, der Hauptstadt Costa Ricas.

Eine gute Stunde später sind wir auch schon in unserem Hotel „El Presidente“. Die Verlockung ist zwar groß, uns nun direkt ins Bett zu begeben. Aber wir wollen den Jetlag nicht unnötig befeuern und so nehmen wir noch ein Getränk auf der Dachterrasse unseres Hotels zu uns. Ein bisschen mehr Unterstützung in unserem Kampf gegen die Zeitverschiebung hätten wir uns schon gewünscht. Aber kaum steht unser erstes Getränk vor uns, wird auch schon die letzte Runde eingeläutet. Und das um halb zehn an einem Samstagabend. Kurios.

Wir mussten eine Zeit fürs Frühstück angeben. Voller Optimismus reservierten wir den Tisch für neun Uhr. Um fünf Uhr sind wir wach. Und können auch nicht mehr einschlafen. Tja, ganz schön naiv von uns, zu glauben, der Jetlag ließe sich mit zwei kleinen Schlummertrunken ins Bockshorn jagen. Zum Glück ist es kein Problem, dass wir zweieinhalb Stunden vor unserer reservierten Zeit bereits am Frühstückstisch sitzen – ja, richtig gerechnet, es ist 6h30.

Wir haben direkt die Gelegenheit, das Nationalgericht zu probieren. Die Ticos (so heißen die Einwohner Costa Ricas) sind genauso geckig, wie die Kölner, stellen wir fest. Ebenso wenig, wie man in Köln bei einem „Halven Hahn“ einen halben Hahn kriegt, bekommt man in Costa Rica einen angemalten Hahn, wenn man „Gallo Pinto“ bestellt. Hierbei handelt es sich ebenfalls um ein vegetarisches Gericht, nämlich um Reis mit Bohnen. Und das wird traditionell schon zum Frühstück gegessen. Schmeckt aber ganz lecker.

Dann beschließen wir, die gewonnene Zeit zu nutzen und doch noch einen kleinen Spaziergang durch die Stadt zu machen. Diese wurde in diversen Reiseführern und Magazinen nun nicht gerade angepriesen. Auch, wenn die lärmenden Automassen an diesem Sonntagmorgen fehlen, deckt sich unser erster Eindruck mit diesen Beschreibungen. So sind wir froh, dass wir nicht noch eine weitere Nacht hier geplant haben.

Um 10h übernehmen wir unseren Mietwagen am Hotel und machen uns auf den Weg zu unserer nächsten Unterkunft in Palma am Fuße des Arenal. Neijen, wir sind nicht auf Malle, sondern immer noch in Costa Rica. Der Arenal ist einer der zahlreichen Vulkane des Landes. 2010 ist er erloschen, so dass wir uns recht sicher fühlen, wenn wir auch direkt aus unserem Zimmer auf ihn blicken.

Wir müssen mal wieder reservieren. Sowohl fürs Abendessen als auch fürs Frühstück. Wir haben dazu gelernt und bestellen den Frühstückstisch mal was früher, für acht Uhr. Um 5h45 können wir uns aber leider nicht zum hundertsten Mal umdrehen, um nochmal einzuschlafen. Immerhin gibt es statt der üblichen Instantbrühe hier richtigen Kaffee mit einer kleinen Maschine auf dem Zimmer. Wir sind eben in Costa Rica. So können wir mit einer köstlichen Tasse Kaffee im Bett den Sonnenaufgang mit Blick auf den Arenal genießen.

Nach dem Frühstück geht’s zum Mistico Nationalpark. Hier haben wir am Vortag für zehn Uhr ein Ticket gebucht. Ohne Reservierung geht hier anscheinend gar nichts. Ist aber ja auch nicht verkehrt, schließlich ist grad Hochsaison. Zum Glück ist nicht so viel los, wie befürchtet und so verbringen wir ein paar herrliche Stunden im Regenwald. Wir sehen Frösche, Schlangen, Vögel, alles in Miniaturform: Erdbeerfröschchen, Babyvipern und Kolibris.

Es gibt eine wahnsinnig vielfältige Fauna. An einem Baum bemerken wir auf einmal eine Kolonne von Blättern, die den Stamm hinunterwandert. Das sieht wirklich lustig aus. Als wir näher hinsehen, erkennen wir, dass es sich um eine Reihe von Ameisen handelt, die jeweils ein Blatt auf dem Rücken tragen, die Blattschneiderameisen.

Mitten auf einer Hängebrücke fängt es auf einmal an, ordentlich zu regnen. Wir hatten schon am Eingang des Parks ein Schild gesehen, welches mit einem gewissen Stolz verkündete, dass es sich hier um eine der regenreichsten Regionen der Welt handelt. Na toll, hatten wir uns gedacht, in solch einer leben wir doch mittlerweile schon, brauchen wir im Urlaub eigentlich gar nicht mehr. Aber hier bei 30 Grad ist so ein kräftiger Schauer eine herrlich willkommene Erfrischung. Mit dem Niederschlag im Sauerland hat das nicht viel gemein.

Apropos Hängebrücken: davon gibt es hier einige und ziemlich hohe und alle mit durchsichtigen Gittern. Es ist eine sehr wackelige Angelegenheit. Aber wir freuen uns, dass uns die Höhenangst, die bei uns beiden ja latent vorhanden ist, heute mal weitestgehend in Ruhe lässt. So können wir auch hier die tollen Ausblicke einfach nur genießen.

Wir hatten vorher gehofft, ein paar mehr typische einheimische Tiere zu sehen. Und siehe da: am Ausgang des Parkes läuft uns auf einmal dieser forsche Nasenbär über den Weg.

Auf dem Rückweg machen wir Rast in einer kleinen Soda. So nennt man die einfachen, imbissartigen Restaurants hier. “Patacones” steht auf der Karte, kennen wir nicht. Auch die englische Übersetztung “Plantain” hilft uns nicht weiter. Wir vergewissern uns bei der freundlichen Bedienung, dass es auf jeden Fall ein vegetarisches Gericht ist (ihrer Beschreibung konnten wir leider auch nicht entnehmen, worum es sich handelt) und bestellen eine Portion. Jetzt wissen wir “Patacones” sind frittierte Fladen aus Kochbananen. Dieses Obst (oder Gemüse?) gehört nun wirklich nicht zu unserer Lieblingsspeise, wie wir am Vorabend schon feststellten. Aber in dieser Variante mit einem würzigen schwarze-Bohnenmus und einer herzhaften Tomatensalsa ist es doch recht lecker.

Zurück im Hotel lassen wir den Tag entspannt in der Hängematte ausklingen, lesen und schreiben ein bisschen. Pura Vida eben! Diese Redewendung haben wir schon so oft gehört. Wörtlich übersetzt “pures Leben”, wird sie hier einfach für alles genutzt: Begrüßung, Abschied, Begeisterung ausdrücken und und und…