Monteverde

Samstagvormittag. Gestern waren wir begeistert, dass wir sie das erste Mal nicht nur gehört, sondern auch gesehen haben. Die Brüllaffen. Und das direkt vor unserem Zimmer. War schön zu beobachten, wie sie sich behände von Baum zu Baum schwangen. Weniger schön war es, sie heute Morgen wieder mal nur zu hören. Und zwar dank der costa-ricanischen Leichtbauweise so laut, dass wir trotz geschlossener Fenster sicher waren, sie säßen direkt neben uns im Bett. Leider haben sie zusätzlich ein blödes Timing erwischt. Hätten sie doch nur ein Stündchen später angefangen zu brüllen, hätten sie uns genau zu unserer Frühstückszeit geweckt.

Nach dem Frühstück verlassen wir die Pazifikküste Richtung Nebelwald. So, also die 10 km Schotterpiste von der wir vor ein paar Tagen berichteten ist pillepalle. Heute wissen wir, warum wir laut Reiseagentur auf jeden Fall ein Allradfahrzeug nehmen sollten. Die ersten 100 km ist noch alles gut. Aber dann wird es krass. Als die asphaltierte Strecke endet, werden wir schon stutzig, dass wir laut Google-Maps für 27 km 60 min brauchen sollen. Ein paar hundert Meter weiter treffen wir auf ein Schweizer Pärchen, welches am Straßenrand einen platten Reifen wechselt. Unsere Hilfe benötigen sie nicht, wie sie uns beteuern. Und mit unserem Wagen würden wir diese extrem steilen Senken und mit Riesenschlaglöchern bespickte, fiese Geröllpiste bestimmt schaffen. Schließlich haben sie sie mit ihrem Frontantrieb auch bewältigt (sie sind aus der entgegengesetzten Richtung gekommen). Richtig Mut gemacht hat uns diese Beschreibung nicht und Lust auf einen Reifenwechsel haben wir auch nicht. Aber wir möchten auch keinen Riesenumweg in Kauf nehmen und hätten wir sie nicht getroffen, wären wir auch da lang gefahren und außerdem wohnen hier Leute, die ständig dort längs müssen. Bedenken zerstreut, weiter geht‘s. Es ist leider genauso mies, wie sie beschrieben haben. Wir fahren im Schritttempo, setzen trotzdem mehrfach auf und kommen an zwei liegen gebliebenen Fahrzeugen vorbei. Dass die Strecke bei Google-Maps als normale Straße ausgewiesen wird, ist eine Frechheit. Wahrscheinlich haben sie eine Kooperation mit der Werkstatt am Ende dieser Katastrophenroute. Die bietet in sämtlichen Sprachen Reifenreparaturen an. Sehr witzig…

Unser Zimmer in dem wunderschönen Hotel Belmar in Monteverde entschädigt uns für die auf dem Weg verlorenen Nerven. Es ist im obersten Stock und beschert uns einen Wahnsinnsblick auf den Regenwald und den „Golf von Nicoya“. Zusätzlicher Pluspunkt: es hat keine Klimaanlage, was uns eine tägliche Diskussion weniger verschafft.

Wie erwartet ist es hier wesentlich kühler als an der Pazifikküste. Abends hat es angefangen zu regnen und in der Nacht weht der Wind lautstark über das Dach. Hin und wieder überkommen uns Zweifel, ob wir unsere geführte Tour am nächsten Morgen trocken erleben können. Zum Glück erfüllen sich unsere Befürchtungen nicht. Mit knappen 15 Grad, bei leicht bewölktem Himmel und hin und wieder Sonne starten wir um 7 Uhr 30 in den Tag. Unser Grüppchen besteht aus zwei Schwestern aus Südafrika, Mutter und Tochter aus Frankreich, uns beiden und Walter unserem costa-ricanischen Guide. Wie schön, dass wir uns diesmal dafür entschieden haben, einen geführten Gang durch den Regenwald zu machen. So genießen wir nicht einfach nur diese herrlich kühle, entspannende, grüne Stille, sondern erfahren auch noch allerlei interessantes über diese üppige Vegetation.

Das Highlight der Wanderung ist eindeutig ein ganz besonderer Bewohner des Waldes. Er sieht aus wie eine Mischung aus Punk mit Knopfaugen und schillernder Diva: der Quetzal. Diese Vogelart lebt nur in den Nebelwäldern Mittelamerikas. Sie ernährt sich hauptsächlich von den wilden Avocados, die in diesem feuchten Gebiet besonders gut gedeihen. Der Quetzal schluckt sie im Ganzen herunter – das geht, weil die Früchte viel kleiner sind als die, die wir so kennen. Aber trotzdem benötigt er dann ungefähr 20 min, um zu verdauen. Den Samen würgt er zum Schluss schön perforiert wieder aus. So trägt er dazu bei, dass sich diese Frucht immer weiter vermehrt. Es ist natürlich nicht so einfach, den Vogel im Dschungel auszumachen. Aber da er die Verdauungszeit ruhig auf einem Baum verbringt, gelingt es uns zum Glück gleich zweimal.

In dem angrenzenden Kolibrigarten sind wir fasziniert, wie viele von diesen winzigen, bunten Vögeln hier herumflattern.

Mittags sind wir wieder im Hotel. Die Sonne scheint, wir beschließen, in den nahe gelegenen Ort zu fahren und dort in einer Soda einen kleinen Snack zu nehmen. Auf einmal geht der Regen los und hört auch gar nicht mehr auf. Da es zudem sehr stürmisch wird, beschließen wir den Rest des Nachmittags in unserem geschützten Zimmer bzw. Balkon zu verbringen, ein bisschen zu lesen und die Aussicht zu genießen.

Abends essen wir wieder im Hotel. Das Essen hier ist wirklich etwas besonderes. Das Gemüse stammt aus dem eigenen Garten, der Käse aus der eigenen Käserei und in der eigenen Brauerei, brauen sie sogar „Kolsch“. (Geschmacklich hat es aber so gar nichts mit seinem Namensvetter zu tun. Es schmeckt viel herber und malziger.)