Ja, jetzt ist er endgültig eingezogen in die Brandenburger Straße in Westerland: der Schlendrian. Und bevor Du, liebes Bötz, jetzt wieder lossingst von wegen “wer den lieben langen Tag…” usw. (ich habbet schon im Ohr), bin ich mir sicher: bei dem Regen, der sich hier heute über der Insel entlädt wärst DU auch nicht rausgegangen! Und so geben wir uns – äußerst widerwillig natürlich nur – dem süßen Nichtstun hin. Schlafen lange, trinken die ein oder andere Tasse Kaffee und lesen hin und wieder ein bisschen. Gegen Mittag kommt uns aber der Gedanke, dass es doch auch irgendwie blöd ist, die Regenhosen komplett umsonst mitgeschleppt zu haben. Außerdem reißt es da hinten schon wieder auf, oder? Und in die Kupferkanne wollten wir doch noch unbedingt, weil wir es da so schön finden. Also los, Regenhosen eingepackt und flugs nach Kampen geradelt.
Auf dem Weg dorthin kommen wir an dem Leuchtturm von Kampen vorbei. Es gibt ihn seit 1856, seinen markanten Anstrich hat er aber erst knapp hundert Jahre später (1953) erhalten. Bei diesen Arbeiten fiel ein Maler vom Gerüst und brach sich das Genick. Seitdem heißt es, der Leuchtturm trage ein weißes Leichenhemd mit Trauerflor.
Es ist aber auch wirklich so schön in der Kupferkanne. Was die hier nach dem zweiten Weltkrieg aus dem alten Flaggschiffbunker gemacht haben, ist schon toll.
Nach Kuchen ist uns gerade nicht und so entscheiden wir uns für eine Quiche. Dazu wollen wir eine Fruchtsaftschorle trinken. Und da haben wir es dann. Es ist ja mal wieder sooo typisch Sylt. Dekadenz macht hier einfach vor gar nichts halt, nicht mal vor der Saftschorle. Alibimäßig gibt es schnöden Apfel- und Rhabarbersaft, aber dann: Saft von der “Morellenfeuer Sauerkirsche”. Ja nee, is klar, ne! Da wird wahrscheinlich jede einzelne Kirsche vor dem Pflücken massiert und mit klassischer Musik beschallt. Und Saft vom weißen Pfirsich. Nein, der gelbe tut es natürlich nicht. Wir sind hier ja schließlich auf Sylt, da muss es schon der exquisite weiße sein. “Zwei Mal Pfirsichschorle bitte!” … lecker! 🙂
Dunkle Wolken hängen schwer am Himmel. Aber es ist trocken und so fahren wir noch zum Roten Kliff und klettern außerdem auf die Uwe-Düne, die höchste Erhebung Sylts.
Auf dem Rückweg entladen sie sich dann, die dunklen Wolken. Was wir beide auch so toll finden an den Regenhosen, ist, dass sie so leicht sind. Damit lässt sich super radeln. Wir überlegen gerade, ob wir sie das nächste Mal einfach mal anziehen, anstatt sie sauber und trocken in unseren Radtaschen nach Hause zu transportieren. Dann werden wir vielleicht auch nicht nass bis auf die Unterhosen.









