Der Bodensee

Heute morgen sind wir bei herrlichstem Sonnenschein losgefahren. Schon im Radio hören wir, dass es in der Bodenseeregion nicht so heimelig ist, da sich der Hochnebel hartnäckig hält. Und es stimmt, kaum kommen wir in die Region, ist es sehr neblig und üsselig. Gegen 12 Uhr kommen wir in unserem Hotel „Winzerstube“ an. Das Zimmer ist noch nicht fertig. Wir stellen also nur unser Auto ab und machen ein paar Schritte. Und was für ein Glück haben wir dann bitte! Die Sonne hat es geschafft und den Nebel verdrängt. Bei Frankys Minigolfplatz gibt es eine gemütliche Bude mit ein paar Tischen. Dort lassen wir uns nieder, ziehen eine Jacke nach der anderen aus und genießen die Sonne. Um 14 Uhr können wir unser Zimmer beziehen. Dieses Zimmer hat nur einen entscheidenden Nachteil: es ist so schön, dass wir hier leider heute nicht mehr rauskommen werden 😉. Ein Riesenbalkon mit einem wunderschönen Blick auf den Bodensee. Der Vorteil daran ist, dass wir wenigstens mal wieder dazu kommen, etwas zu schreiben. Und nun sitzen wir hier auf dem Balkon und wollen nochmal kurz von den letzten Tagen berichten.

Am Freitag hat es den ganzen Tag wie aus Kübeln gegossen. Wir nutzen den Regen, um mal wieder ein bisschen zu lesen. Am frühen Nachmittag entschließen wir uns dazu, die „Kunsthalle Messmer“ in Riegel aufzusuchen. Früher wurde hier Bier gebraut – das “Riegeler Bier” verrückterweise. Jetzt wird hier gewohnt, gearbeitet und eben Kunst gezeigt. „Fantastische Bildwelten“ heißt die aktuelle Ausstellung. Dort sind Skulpturen und Bilder ausgestellt, die optische Täuschungen zum Thema haben. Wirklich faszinierend, hat sich gelohnt! Danach möchten wir dann doch gerne einmal die weltbeste Eisdiele des Kaiserstuhls testen. Wir fahren also nach Königschaffhausen. Zum Glück ist der einzige Tisch drinnen nicht besetzt, so dass wir einkehren können. Das so vollmundig angepriesene Gin-Eis gibt es leider zur Zeit nicht, aber die Waffel mit Zwetschgenzimtmarmelade und Sauerrahm ist auch lecker! Abends treffen wir uns mit Marc, Steffi und Hannes im „Rebstock“, eines der Gasthäuser der Gebrüder Keller in Oberbergen. Im „Schwarzen Adler“ haben wir leider keinen Platz mehr gekriegt. Aber der „Rebstock“ ist wahrscheinlich auch eher unsere Liga. Der „Adler“ ist immerhin ein Sternerestaurant. In der Gaststube des „Rebstocks“ hängen lauter Fußballutensilien – unter anderem ein original WM-Trikot von Helmut Rahn aus dem Jahre 1954. Und irgendwann kommt dann tatsächlich Fritz Keller (Ihr wisst schon? Der DFB-Präsident) vorbei, um uns allen einen guten Abend zu wünschen. Lecker ist es auch. Ich esse einen Flammkuchen mit Münsterkäse und einen Feldsalat mit Kracherln (ohne Speck schmeckt der nämlich wohl sehr gut!). Björn nimmt das Rehschnitzel.

Am Samstag treffen wir uns mittags mit den dreien im Weingut „Abril“. Dort überzeugen wir uns noch einmal davon, dass der Kaiserstühler Wein wirklich sehr lecker ist. Es ist wieder herrlichstes Wetter, so dass wir sogar draußen sitzen können. Danach machen wir einen kleinen Gang zum Café „Lissele“ in Leiselheim. Glücklicherweise haben wir für abends einen Tisch im Chalet unseres Hotels ergattern können und verbringen noch einen letzten lustigen Abend zusammen. Es war eine wunderschöne, traumhafte, tolle Zeit hier im Kaiserstuhl mit lieben Freunden, gutem Essen und einer bezaubernden Landschaft. Wir kommen wieder, keine Frage!

Der Kaiserstuhl

Gestern haben wir uns auf den Fahrradweg gemacht, den Kaiserstuhl zu umrunden. Laut Reiseführer eine super Sache, wenn man schon in Schnappatmung verfällt, sobald man nur an die Berge des Schwarzwalds denkt. Der Weg bis Breisach ist, na ja, weitläufig, irgendwie. Lange, gerade Strecken. Und viele Maisfelder, die gerade heute bestellt werden müssen. Ist schon interessant zu sehen, wie sich ein Mähdrescher mit vorbildlichem 1,5m Abstand an dir vorbei fräst. Weniger spannend die Reste, die sich vom Wind getragen in dein Gesicht blasen. Breisach ist ganz hübsch. Das Münster haben wir uns am Montag schon angeschaut, so dass wir da jetzt nicht nochmal hoch latschen.

So richtig dolle finden wir den „Kaiserstuhl-Rundweg“ nicht. Da fällt uns die Entscheidung nicht schwer, den Tuniberg aus zu lassen, um stattdessen eine Einkehrmöglichkeit zu finden. Wir kommen nach Wasenweiler. Da haben wir vorgestern in der „Sonne“ mit Marc und Steffi ein köstliches Abendessen genossen. Wär ja schon schön, wenn wir auch mal eine andere Lokalität ausprobieren könnten.

Können wir aber nicht. Aber bevor wir weiterfahren und wieder in der badischen Siesta hängen (Ihr erinnert Euch? Zwischen 14 und 17 Uhr geht hier gar nix), kehren wir doch lieber ein. Zum Glück! So können wir jetzt bei lauen 18 Grad unsere Schorle und Kartoffelsuppe in dem wunderschönen Innenhof zu uns nehmen (vorgestern, nach Sonnenuntergang, war es hier nicht mehr so heimelig). Der schlaue Björn nimmt noch einen Espresso, ich hergegen jömel schon nach zwei weiteren Kilometern rum, dass ich müde bin und gerne mal ein Käffle trinken würde. Wir sind mitten drin in der Siesta, also radeln wir weiter. In Eichstetten gibt es eine kleine, feine Bastion, die sich gegen die Mittagsruhe stellt. Auf einer Kreidetafel weist das „Café Mitnander“ daraufhin, dass es von 11 – 18 Uhr gerne für uns da ist. Wunderbar! Es beschäftigt vornehmlich Mitarbeiter mit Handicap und befindet sich im Innenhof des „Schwanenhof“, was wiederum ein Seniorenwohnheim ist. Und leckere Latte Macchiato haben sie auch.

Heute Abend kehrten wir in der Kreuz-Post ein. Ein bisschen wehmütig sind wir schon. Eigentlich hätten wir uns hier mit Dirk und Stephanie getroffen, die sich von heute bis Sonntag hier eingebucht hatten. Aber leider hat sich Stephanie verletzt (gute Besserung!!!), so dass sie nicht kommen konnten. Lecker ist es dort und eine lustige Kellnerin – wird demnächst 67 Jahre alt (wie das ist nicht spannend? Wir haben auch nicht danach gefragt und sie hat es uns dennoch erzählt). Aber viel wichtiger ist, dass sie uns auch aufträgt, was wir zu konsumieren haben. Björn wollte gerne einen Feldsalat ohne Speck nehmen. „Noooooiiii, ohne Speck schmäckt der ni.“ Und auch die Wahl des Grauburgunders findet nicht ihre Zustimmung. „Nähmet se grad dän, der isch viel läckära un koscht nur die Hälft“. Netterweise bringt sie uns dann auch „no zwei Gläsle zum probiera un vergleiche“. Und was sollen wir sagen „der günschtige“ ist echt leckerer. Glück gehabt.

Rund um Bischoffingen

Unser zweites Frühstück heute in diesem netten Hotel. Die frischen Sachen bringen sie aus gegebenem Anlass an den Tisch. Wir haben festgestellt, dass meistens in den Hotels 50 Scheiben Wurst oder anderer fleischiger Aufschnitt und zwei Scheiben Käse gereicht werden. So auch hier. Wir essen aber ja beide nur wenig bzw. gar keinen fleischigen Aufschnitt. Darauf haben wir gestern die freundliche Dame hingewiesen. Schließlich sind wir eine Woche hier und es wäre doch echt schade, wenn jeden Morgen so viel weggeschmissen würde. Sie hat sehr nett reagiert und sich gefreut, dass wir Bescheid gesagt haben. Und somit hatten wir heute, wie gewünscht zwei Scheiben Schwarzwälder Schinken und eine veritable Käseplatte mit einer köstlichen Auswahl auf unserem Frühstückstisch. Also echt toll! Gut, es war so viel Käse, dass dennoch ein bisschen übriggeblieben ist, aber wir sind ja beide gute Esser, so dass es sich in Grenzen hielt.

Nach dem Frühstück latschen wir die zwei Kilometer nach Niederrotweil und holen die Fahrräder ab, die wir für heute und morgen gemietet haben. Es ist noch recht knackig von den Temperaturen her. Aber da wir direkt über den höchsten Berg des Kaiserstuhls nach Endingen fahren, wird uns schnell warm, sehr warm. Zumal die Sonne auch schon wieder rausgekommen ist. Marc hat heute frei (Steffi muss arbeiten, tja, wir machen Urlaub, wo andere wohnen) und hat uns angeboten, uns die weltbeste Eisdiele des Kaiserstuhls zu zeigen. Wir machen uns also auf den Weg nach Königschaffhausen. Es ist immer noch eine soooo herrliche Landschaft hier, da ist es toll, dass wir die Hälfte der Strecke unsere Fahrräder schieben können. Da kann man die Aussicht doch viel besser genießen, wenn man nicht so durch die Landschaft pest.

Zeit für eine kleine Korrektur: DAS ist jetzt der höchste Berg des Kaiserstuhls. 😉 Aber Marc motiviert uns beharrlich, indem er von dem leckeren Gin-Eis schwärmt, welches wir gleich genießen können. Kaum in Königschaffhausen angekommen, müssen wir feststellen, dass diese Eisdiele donnerstags bis sonntags geöffnet hat. Heute ist Dienstag. Na gut, man muss auch noch Ziele haben. Es gibt noch zwei einladend aussehende Gasthäuser in dem Ort. Es besteht also weiter Hoffnung, auf eine Erfrischung. Aber sowohl im Ochsen als auch im Adler weisen uns die Wirtsleute auf Kreidetafeln darauf hin, dass sie „ab 17 Uhr gerne für uns da sind“. Es ist 14:30, menno! Also weichen wir auf den Bauernladen aus. Der macht immerhin schon um 15:00 auf. Dort gibt es dann endlich das erlösende Getränk, welches wir in der Sonne genießen.

Berge im Nebel

Gestern haben wir eine kleine Wanderung durch die Weinberge des Kaiserstuhls gemacht. Hannes wies Björn an jeder Ecke lautstark darauf hin, dass er doch hier „AUCH MAL EIN BILD MACHEN MUSS“. Recht hat er. Es ist so malerisch, dass man einfach alles fotografieren muss. In den 60er/70er Jahren wurde die Landschaft durch die Flurbereinigung stark verändert. Diese Bereinigung führte man durch, um den Weinbau ertragreicher zu machen. Seitdem kann z. B. besser mit Maschinen geerntet werden, da statt vieler kleiner Hügel nun große Terrassen entstanden sind. Diese Änderung fanden natürlich nicht alle gut. Viele waren oder sind auch immer noch der Meinung, dass dadurch der Charme der Gegend entzaubert wurde. Das können wir nicht nachvollziehen. Wir sind einfach nur hin und weg, weil es uns so gut gefällt.

Nach einer Zeit kommen wir an einen Aussichtspunkt mit Blick auf die wolkenverhangenen Vogesen. Hannes zu Björn: „Mach mal ein Foto von den Bergen im Nebel. Das Bild nennen wir dann Berge im Nebel.“ Süß, unser kleiner Poet. Und wie passend, oder? Das Kunstwerk seht Ihr ganz oben als Einstiegsbild. Je näher wir wieder nach Endingen kommen, desto mehr Menschen begegnen uns. Auch auf Fahrrädern und vornehmlich auf diesen motorisierten. Hannes lässt es sich nicht nehmen, all diese Menschen freundlich anzubrüllen: „FAHRT IHR MIT MOTOOOR?“ Ha, erwischt! Gut, dass jetzt jeder vom Kaiserstuhl über den Schwarzwald bis zu den Vogesen weiß, dass sie nicht aus eigener Kraft fahren. Schließlich sind hier nur seichte Weinberge mit null Wind zu erklimmen.

Wir kehren kurz in eine Straußenwirtschaft ein. Dann ist es Zeit, unser Quartier für die nächste Woche zu beziehen. Das Hotel liegt ca. 10 km von Endingen entfernt, in Bischoffingen. Wir kennen es schon, weil Marc und Steffi hier ihre Hochzeit gefeiert haben.

Da müssen wir nochmal kurz an eine kleine Situation in Lüneburg denken. Während der Stadtführung, ausgerechnet als wir in der Nikolaikirche sind, klingelt Björns Handy. Er kann natürlich nicht dran gehen. Aber an der Vorwahl erkennen wir, dass der Anruf aus Bischoffingen kommt. Zu der Zeit war gerade das vermaledeite Beherbungsverobt angekündigt worden und uns ist klar: die haben angerufen, um uns zu sagen, dass wir nicht kommen dürfen. Der geneigte Leser weiß, dass die Stadtführerin den Rundgang etwas in die Länge gezogen hat, was wiederum unsere Nervosität etwas gesteigert hat. Kaum haben wir uns von der netten Stadtführerin verabschiedet, ruft Björn zurück. Die freundliche Dame beginnt: „Ich habe Sie angerufen, um zu sagen, dass…“ Björn unterbricht sie resigniert: „Ich kann mir schon denken, warum Sie anrufen.“ Leicht irritiert erwidert sie: „Ach so, ja dann, also, Sie hatten ja für den ersten Abend einen Tisch reserviert. Wir wollten Ihnen nur sagen, dass wir das Chalet schon aufgebaut haben. Wenn Sie möchten, können Sie dort einen Tisch haben.“ Köstliche Situation, könnten wir uns jetzt immer noch drüber beömmeln. „Ja, ja, ich weiß schon, warum sie angerufen haben, Sie haben bestimmt das Chalet schon wieder aufgebaut.“ 😂 Aber es ist wirklich schön, dass sie das gemacht haben. Das Chalet ist eine urige Holzhütte, die sie im Winter immer auf der großzügigen Terrasse aufstellen und so freuen wir uns, dass wir einen gemütlichen ersten Abend mit Fondue und Käserösti dort verbringen dürfen.